Horizont voller Halden, gesehen von der Mottbruchhalde aus, 09.08.2025

Halden

An vielen Stellen des Ruhrgebiets erheben sich künstliche Berge aus der sonst eher flachen Landschaft. Diese Halden sind ein sichtbares Erbe der langen Bergbaugeschichte der Region. In vielen Fällen ist ihr Hauptbestandteil sogenanntes Bergematerial, doch es gibt auch Halden, auf denen andere Materialien aufgeschüttet wurden.

Woraus sie bestehen

Die meisten Halden des Ruhrgebiets bestehen aus Bergematerial. Dabei handelt es sich um Gestein mit geringem oder keinem Kohleanteil, das bei der Förderung abgetrennt wurde. Es wird auch als taubes Gestein bezeichnet. Taubes Gestein ist jedoch alles andere als langweilig: Einige dieser Steine enthalten Fossilien, die spannende Einblicke in die Vergangenheit der Region ermöglichen. Für Menschen, die sich für Versteinerungen interessieren, halten die Bergehalden deshalb interessante Schätze bereit.

Im Ruhrgebiet gibt es neben Halden, die aus Bergematerial bestehen, zudem auch solche, auf denen technisch erzeugte Substrate (technogene Substrate) wie Schlacken – häufig aus Hochöfen – sowie Bauschutt aufgeschüttet wurden. Das Bergematerial wird übrigens ebenfalls zu den technogenen Substraten gezählt.

Entstehung

Bereits im 19. Jahrhundert wurde im Ruhrgebiet Tiefbau betrieben. Das beim Untertagebergbau anfallende Bergematerial wurde schon damals zu Halden aufgeschüttet. Anfangs waren sie noch relativ klein. Im Laufe der Zeit verbesserten sich die technischen Möglichkeiten. Dadurch stieg die Fördermenge der Steinkohle – und die des Bergematerials. Deshalb wurden die Halden mit der Zeit nicht nur zahlreicher, sondern auch immer größer und höher.

Es sind verschiedene Haldentypen entstanden. Entscheidend ist dabei, wann mit der Aufschüttung begonnen wurde. Man unterscheidet daher mindestens drei aufeinander folgende Haldengenerationen. In einigen Literaturquellen wird sogar von vier Generationen gesprochen. Eine Besonderheit stellen die brennenden Halden dar, in deren Inneren Schwelbrände existieren, die zum Teil jahrzehntelang brennen.

Hunderte künstliche Berge

In der Hochphase des Steinkohlenbergbaus existierten im Ruhrgebiet rund 250 bis 300 Bergehalden – je nachdem, welcher Quelle man glaubt. Ein großer Teil dieser Halden wurde insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren teilweise oder ganz abgetragen. Deshalb gibt es mancherorts Haldenreste, die auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar sind.

Ein Beispiel dafür ist eine einst nur circa 1,5 Hektar große Halde in Essen-Kupferdreh, die wahrscheinlich schon in den 1940er-Jahren zurückgebaut wurde und von der inzwischen nur noch eine kleine Parkanlage mit einem Teich zeugt.

Doch heute prägen noch immer über 100 mehr oder minder deutlich erkennbare Bergehalden – neben einigen Schutt- und Mülldeponien – die Landschaft des Ruhrgebiets. Da in der Region keine Steinkohle mehr gefördert wird, wachsen die allermeisten von ihnen nicht mehr. Unter ihnen sind einige Rekordhalter.

Höchste Halden

In Bezug auf die größte Höhe über Normalnull liegt die Halde Oberscholven in Gelsenkirchen mit 201 Metern auf Platz eins. Von ihrem Fuß bis zum Gipfel sind es 138 Meter und sie hat eine Fläche von 51,53 Hektar bei einem Volumen von circa 100 Millionen Kubikmetern.

Was die Höhe über der direkten Umgebung angeht, ist die Halde Haniel in Bottrop die Spitzenreiterin: Sie überragt ihr Umland um 118 m. Damit ist sie die Halde mit der größten Höhe vom Fuß bis zum Gipfel im Ruhrgebiet. Dieser liegt jedoch „nur” auf einer Höhe von 184 Metern über Normalnull. Die Halde Haniel bedeckt eine Fläche von 109,54 Hektar und hat ein Volumen von etwa 120 Millionen Kubikmetern.

Größte und volumenreichste Halde

Hinsichtlich der von ihr bedeckten Fläche ist die Halde Hoheward in Herten und Recklinghausen auf dem Spitzenplatz. Sie ist gigantische 156,34 Hektar groß. Anders ausgedrückt: Auf ihrer Fläche ließen sich 219 Fußballfelder unterbringen. Ihre höchste Stelle liegt 151 Meter über Normalnull, sie überragt ihre Umgebung um 103 Meter und ihr Volumen beläuft sich auf rund 180 Millionen Kubikmeter.

Heutige Nutzung der Halden

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurden die Halden im Ruhrgebiet als Makel empfunden. Inzwischen hat sich ihr Image jedoch grundlegend gewandelt. Heute sind viele Halden touristisch erschlossen und sie sind bei Erholungssuchenden und sportlich Aktiven gleichermaßen beliebt. Auf ihnen kann man wandern und den Blick über das dicht besiedelte, aber grüne Ruhrgebiet genießen. Der Sport kommt ebenfalls nicht zu kurz. Sportbegeisterte können auf den Halden beispielsweise joggen, sich auf eigens angelegten Mountainbike-Strecken austoben oder ein Plateau der Halde Hoheward als Start- und Landepunkte fürs Gleitschirmfliegen nutzen.

Auf einigen Halden wurden außerdem weithin sichtbare Kunstwerke oder Skulpturen errichtet. Diese verleihen den künstlich erschaffenen Bergen einen besonderen Charakter und sind zu Wahrzeichen geworden. Zu diesen Landmarken zählen die Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen, das Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward in Herten/Recklinghausen, die Sonnenuhr auf der Halde Schwerin in Castrop-Rauxel, das Tetraeder auf der Halde Beckstraße und die Totems auf der Halde Haniel, beide in Bottrop, sowie das Geleucht auf der Halde Rheinpreußen in Moers.

Natur „auf Halde“

Für Naturinteressierte sind die Halden ebenfalls überaus lohnende Exkursionsziele. Viele dieser „Steinkohlebergbau-Berge“ wurden nach dem Schüttende bewusst gestaltet und teils aufwendig begrünt. Sie beherbergen inzwischen eine erstaunliche Artenvielfalt. Das gilt ebenso für die nicht begrünten Halden, auf denen sich die Natur aus eigener Kraft wieder durchgesetzt hat.

Besonders artenreich sind jene Halden, die verschiedene Lebensräume wie offene Flächen mit Rohboden, kleine Gewässer und bewaldete Abschnitte beherbergen. Sie bieten sowohl weit verbreiteten Arten, die sich mit sehr unterschiedlichen Umweltbedingungen arrangieren können (Generalisten), als auch hochspezialisierten Spezies passende Lebensräume. Aufgrund ihrer wichtigen Rolle für die Artenvielfalt stehen einige Halden des Ruhrgebiets unter Naturschutz, darunter die Naturschutzgebiete (NSG) Bergehalde Pluto-Wilhelm in Herne und Halde Rheinbaben in Gladbeck. Zudem wurden mehrere Halden zu Landschaftsschutzgebieten (LSG) erklärt, darunter die abgetragene Halde Altstaden in Oberhausen, die heute ein Feuchtbiotop ist.

Zukunft der Halden im Ruhrgebiet

Über die Zukunft der Halden im Ruhrgebiet haben sich Fachleute ausgiebig beraten. Wie sie weiterhin entwickelt werden sollen, wird in einem Kompendium beschrieben, das der Regionalverband Ruhr (RVR) ausgearbeitet hat. Im Juli 2025 wurde es vom Ruhrparlament beschlossen. Dieses 412 Seiten umfassende Werk zeigt auf, welche Halden mit dem Schwerpunkt Tourismus weiterentwickelt werden sollen (13 Halden), welche für die Freizeitnutzung und Naherholung vorgesehen sind (31 Halden) und auf welchen Halden der Naturschutz sowie die naturnahe Erholung den höchsten Stellenwert haben sollen (14 Halden).

Zum Download beim RVR: Gesamtregionales Haldenkonzept (GRHK)

Hintergrundinformationen zu Halden

Halden im Porträt

Bisher werden hier schon einige Halden des Ruhrgebiets vorgestellt. Weitere Gebietsporträts sind bereits in Arbeit.

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