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Industrienatur – aus Grau wird Grün
Neben der „wilden“ Natur gibt es im Ruhrgebiet eine besondere Form der Stadtnatur: die Industrienatur. Sie entstand durch menschlichen Einfluss und eroberte nach dem Niedergang der Schwerindustrie in den letzten Jahrzehnten Flächen wie Werksgelände, Bahntrassen und Halden. Doch sie ist nicht einfach „Wildnis auf alten Fabrikgeländen“. Vielmehr ist sie ein ökologisches Experimentierfeld und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich die Natur an vermeintlich unwirtlichen Standorten (wieder) behaupten kann.
An den Standorten, an denen sich diese außergewöhnliche Natur heute zeigt, herrschen besondere Bedingungen. Oft gibt es Bereiche mit Rohböden, die nur wenige Nährstoffe enthalten und mit Schwermetallen belastet sein können. Sogenannte technogene Substrate – darunter Abraum aus dem Bergbau und Hochofenschlacken – bilden häufig die Grundlage der Industrienatur. Ein weiterer Unterschied zur Wildnis ist, dass an etlichen Standorten der Industrienatur kaum Wasser im Boden gespeichert wird. Vor allem Halden weisen mit steilen, stark der Sonne ausgesetzten Hängen extreme Lebensräume auf.
Überraschenderweise sind es gerade diese sehr herausfordernden Umweltbedingungen, die maßgeblich zur bemerkenswerten biologischen Vielfalt des Ruhrgebiets beitragen. Arten, die besondere Ansprüche an ihre Umgebung stellen und in naturbelassenen Gebieten benachteiligt wären, finden dort die für sie passenden ökologischen Nischen. An vielen Stellen wird durch spezielle Pflegemaßnahmen versucht, die Industrienatur zu unterstützen und zu erhalten.