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Arten an Industrienatur-Standorten
Einst Inbegriff für Bergbau und Stahlindustrie, überrascht das Ruhrgebiet heute mit einem unerwarteten Artenreichtum. Industriebrachen, Halden und Bergsenkungsgebiete spielen dabei eine zentrale Rolle. Denn nach dem Ende der industriellen Hochphase haben sich viele dieser scheinbar lebensfeindlichen Orte zu wertvollen Lebensräumen für zahlreiche Arten entwickelt.
Pionierpflanzen legen den Grundstein für komplexere Pflanzengesellschaften. Je nach Stadium der natürlichen Verbuschung (Sukzession) eines Standortes finden sich dort unterschiedliche Pflanzen, von Moosen bis zu Bäumen. Sie sind an die besonderen Bedingungen ihrer oft anspruchsvollen Standorte angepasst.
Auch die Pilze sind an vielen Standorten der Industrienatur vielfältig vertreten. Sogenannte Mykorrhizapilze gehen Symbiosen mit Pflanzen ein und helfen ihnen, Nährstoffe aus dem Boden zu gewinnen. Zersetzende Pilze nehmen eine zentrale Funktion im Stoffkreislauf ein, indem sie organisches Material abbauen. Darüber hinaus gibt es Pilze, die Pflanzen parasitieren. Dazu gehören zum Beispiel die Rostpilze (Pucciniales).



Die entstandene Vegetation dient wiederum als Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten. Neben Generalisten, die sich an unterschiedliche Umweltbedingungen anpassen können – beispielsweise verschiedene Vogelarten, Kleinsäuger und Insekten –, haben sich auch Spezialisten angesiedelt, die auf die besonderen Bedingungen der Industrienatur-Standorte angewiesen sind.
Bemerkenswert ist das Vorkommen zahlreicher Rote-Liste-Arten auf Industriebrachen und Halden. Die Vielfalt der Kleinlebensräume und die dort herrschenden Umweltbedingungen haben Refugien für gefährdete Arten geschaffen. Beispiele hierfür sind seltene Amphibien in temporären Gewässern und auf bestimmte Pflanzen spezialisierte Insekten.