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Halde Gottfried Wilhelm
Unauffällig und versteckt liegt sie in einem mehr als 200 Hektar großen Waldgebiet. Es führen keine Wege über sie und nur das stellenweise sichtbare Bergematerial verrät, wer sie ist. Die Essener Halde Gottfried Wilhelm – nicht zu verwechseln mit der namentlich ähnlichen und sehr viel größeren Halde Gotthelf in Dortmund – gehört zu den ältesten und zugleich unbekanntesten Abraumbergen des Ruhrgebiets.
Inhalt dieser Seite
Steckbrief
Standort: Essen-Stadtwald
Koordinaten: 51° 25′ 5.4984“ N, 7° 2′ 27.654“ O
Schüttbeginn: ?
Schüttende: wahrscheinlich zwischen 1930 und 1940
Maximale Höhe relativ zur Umgebung: ca. 4–6 m
Höchster Punkt absolut: ca. 140 m ü. NN
Fläche: ca. 0,7 Hektar
Haldentyp: Rückenhalde
Material: Bergematerial
Begehbar: ja, jedoch nicht auf Wegen
Eigentümer: ?

Entstehung
Bereits zwischen 1771 und 1797 wurden im Bereich nördlich des heutigen Baldeneysees erste Aktivitäten zum Abbau von Steinkohle betrieben. In dieser Gegend lag der begehrte Rohstoff relativ dicht unter der Erdoberfläche. Das „schwarze Gold“ wurde in vier Zechen gefördert, die 1859 zusammengeschlossen (konsolidiert) wurden. Zu Ehren des einige Jahre zuvor verstorbenen Lehnsträgers Johann Gottfried Wilhelm Waldthausen wurde diese konsolidierte Zeche „Gottfried Wilhelm“ genannt. Ihr nicht offizieller Name lautete „Elend im Walde“, was etwas über ihre Lage aussagt: Damals befand sich das Betriebsgelände dieser Zeche mitten im Schellenberger Wald. Ganz in der Nähe des Montanbetriebs wurde außerdem schon recht früh damit begonnen, eine Halde aufzuschütten. Wann genau das war, lässt sich heute nur schwer rekonstruieren.

Mit der Zeit wuchs die Halde Gottfried Wilhelm, bis sie um das Jahr 1920 herum ihre heutige Größe erreicht haben dürfte. Sie ist etwa 160 Meter lang, an ihrer breitesten Stelle circa 50 Meter breit und überragt ihre Umgebung nur um wenige Meter. Auf historischen Luftaufnahmen des Ruhrgebiets, die zwischen 1934 und 1939 entstanden sind, ist bereits deutlich die erste Vegetation zu erkennen. Somit dürfte die Aufhaldung zu dieser Zeit beendet gewesen sein.
Spätestens seit Anfang der 1950er-Jahre ist die Halde so dicht bewachsen, dass sie sich nahezu nahtlos in den umliegenden Wald einfügt. Das ist bis heute so geblieben.

Seit Jahrzehnten wird die Halde Gottfried Wilhelm sich selbst überlassen und sie wurde nicht mit Wegen erschlossen. Damit ist sie eine der „wildesten” Bergehalden, die das Ruhrgebiet zu bieten hat. Auf keiner Liste von Sehenswürdigkeiten ist sie zu finden, was sicherlich unter anderem in ihrer versteckten Lage begründet sein dürfte.
Sie ist für Naturinteressierte (mindestens) eine Exkursion wert, da sie eindrucksvoll zeigt, was mit einer Deponie in einem sommergrünen Laubwald innerhalb weniger Jahrzehnte passiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Ruhrgebietshalden beherbergt sie keinen typischen Industriewald aus Pionierpflanzen, sondern einen klassischen, regionaltypischen Wald.

Lebensraum und Artbeispiele

Der Wald auf der Halde Gottfried Wilhelm besteht vorwiegend aus Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Rot-Buche (Fagus sylvatica) und Stiel-Eiche (Quercus robur) sowie Sträuchern wie der Gewöhnlichen Hasel (Corylus avellana) und dem Schwarzen Holunder (Sambucus nigra). Darüber hinaus gibt es einige Hänge-Birken (Betula pendula) und Eiben (Taxus baccata). Am südöstlichen Hang wachsen Brombeeren (Rubus sp.) und Gewöhnlicher Wurmfarn (Dryopteris filix-mas). Allgegenwärtig ist das Zypressenschlafmoos (Hypnum cupressiforme). Im Schatten der Bäume finden sich etliche Exemplare des Gefleckten Aronstabs (Arum maculatum) und der Gewöhnlichen Nelkenwurz (Geum urbanum).

Im Schellenberger Wald sind viele typische Waldvögel beheimatet, von denen sich einige auch auf der Halde beobachten lassen. Häufig sind Buntspecht (Dendrocopos major), Kleiber (Sitta europaea), Amsel (Turdus merula) und Rotkehlchen (Erithacus rubecula) zu sehen. Neben etlichen Insektenarten gibt es weitere Wirbellose, darunter die sehr kleine Maskenspinne (Zilla diodia) und der ursprünglich aus Italien stammende Mittelmeer-Weberknecht (Opilio canestrinii), der seit 1974 in Deutschland auftritt. Er ist inzwischen die häufigste Weberknechtart Deutschlands. Als typische Bewohnerin von Laubwäldern ist auf der Halde Gottfried Wilhelm auch die Große Glanzschnecke (Oxychilus draparnaudi) anzutreffen.
Dort lassen sich ebenfalls viele Pilzarten mit unterschiedlichen Lebensweisen beobachten. Dazu gehören Pilze, die in Symbiose mit Bäumen leben, parasitäre Arten sowie Holz- und Folgezersetzer. Beispiele für auf dieser Halde vorkommende Pilzarten sind Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Gallertfleischiger Fältling (Phlebia tremellosa), Ahorn-Runzelschorf (Rhytisma acerinum), Halskrausen-Erdstern (Geastrum triplex), Nebelkappe (Clitocybe nebularis) und Helmlingsschimmel (Spinellus fusiger). Auf der Borke der Bäume wachsen Flechten wie der Gewöhnliche Silberfleck (Phlyctis argena) und die Olivgrüne Schwarznapfflechte (Lecidella elaeochroma).






Meine Naturbeobachtungen
Da die Halde Gottfried Wilhelm recht klein ist und sich nur schwer betreten lässt, war ich bisher erst wenige Male dort. Sie hat aber sicherlich noch einiges zu bieten, weshalb ich in Zukunft sicher wieder nach Arten suchen werde. Meine Beobachtungsdaten dokumentiere ich auf dem Meldeportal von NABU|naturgucker. Sie sind im Gebiet Halde Gottfried Wilhelm zu finden. Die folgende Statistik fasst die Sichtungen zusammen.
Anzahl der Taxa1 pro Artengruppe
Moose: 5
Gefäßpflanzen: 20
Amphibien: 0
Reptilien: 0
Säugetiere: 1
Vögel: 14
Insekten: 13
Sonstige Tiere: 15
Pilze, Flechten und Schleimpilze: 21
Bakterien: 0
Gesamt: 89
Exkursionen: 4
Beobachtungsdatensätze: 160
Bezugszeitraum: 02.04.2023 bis 07.02.2026
1 Was sind Taxa? Das können Sie hier nachlesen.

Infos für den Besuch
Eine Erkundung der Halde Gottfried Wilhelm lässt sich ideal mit einer Exkursion in den Schellenberger Wald verbinden. Sie ist von der Forsthausstraße aus zu Fuß und mit dem Fahrrad leicht zu erreichen. Für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bieten sich mehrere Optionen an. Von der Haltestelle „Kantorie“ (Buslinie 175) aus sind es nur rund fünf Minuten Fußweg und von der Haltestelle „Schöne Aussicht“ (Buslinien 145 und 175) aus sind es 15 bis 20 Minuten. Wer mit dem Auto anreist, kann dieses auf dem Parkplatz an der Heisinger Straße abstellen. Er liegt in unmittelbarer Nähe der Bushaltestelle „Schöne Aussicht“.
In der Nähe (Radius 5 km)
Die in Kilometern angegebene Distanz entspricht der Luftlinie.
Essen
Bis zur Halde Pörtingsiepen südlich des Baldeneysees sind es circa 2,8 km.