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Brennende Halden
Unter bestimmten Umständen kann sich das Bergematerial im Inneren von Halden selbst entzünden. Deshalb schwelen in mehreren Halden des Ruhrgebiets noch heute von außen nicht sichtbare Brände. Einige dieser brennenden Halden dürfen nicht betreten werden, andere gelten als sicher. Bei der Steinkohlegewinnung im Ruhrgebiet wurden auch andere Gesteine aus der Erde geholt. Die wertvolle Kohle wurde vom Abraum, also dem tauben Gestein, getrennt. Kleine und vereinzelte Kohlestücke, deren Trennung vom restlichen Gestein technisch nicht möglich oder unwirtschaftlich war, wurden mit auf die Halden geschüttet. Diese Restkohle spielt eine maßgebliche Rolle bei der Entstehung der Schwelbrände in Haldenkörpern.
Wenn der Abraum bei der Aufschüttung nicht fest zusammengepresst wird, entstehen zwischen den Steinen und der Kohle zahlreiche winzige Spalten und Hohlräume, die Luft und somit Sauerstoff enthalten. Der Wind kann von außen zusätzlich frischen Sauerstoff in den Haldenkörper drücken. Im Inneren der Halde reagiert die Steinkohle mit dem Luftsauerstoff, sie oxidiert also.
Bei diesem chemischen Prozess wird Wärme freigesetzt. Die dadurch verursachte Aufheizung im Inneren der Halde kann bewirken, dass sich die Steinkohlereste selbst entzünden. Das ist allerdings nur möglich, wenn genügend Sauerstoff im Haldenkörper vorhanden ist. Durch diese Selbstentzündung entsteht ein Schwelbrand. Typisch für Schwelbrände ist, dass sie bei niedrigeren Temperaturen ablaufen als normale Brände und dass sich kaum bis keine Flammen entwickeln.

In Haldenkörpern können Schwelbrände, denen ausreichend Sauerstoff zur Verfügung steht, Jahrzehnte andauern. Sie sind nur schwer zu löschen. Früher wurden einige brennende Halden abgetragen. Heute lässt man sie weiter brennen. Das hat allerdings Auswirkungen auf die Umwelt. Haldenschwelbrände verlaufen zwar ohne sichtbare Flammen. Doch sie setzen Verbrennungsgase wie Kohlenmonoxid, Methan und andere Emissionen frei, die aus den brennenden Halden entweichen. Fachleute stufen diese Gase – zumindest im Fall der brennenden Halden im Ruhrgebiet – nicht als unmittelbar für Menschen gefährlich ein. Allerdings gelten einige der freigesetzten Gase als Treibhausgase.
Diese Halden im Ruhrgebiet brennen*
⇒ Halde Graft Moltke III/IV in Gladbeck
⇒ Halde Großes Holz in Bergkamen
⇒ Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn
⇒ Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen
⇒ Halde Rungenberg in Gelsenkirchen
⇒ Halde Wehofen-West in Dinslaken
* Räumliche Ausdehnung des Ruhrgebiets gemäß der Definition des Regionalverbandes Ruhr (RVR) aus dem Jahr 2012
Trotz ihres feurigen Inneren dürfen die meisten der brennenden Halden im Ruhrgebiet betreten werden. Sie werden sicherheitshalber ständig überwacht, unter anderem durch Gas- und Temperaturmessungen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die in der näheren Umgebung wohnenden Menschen ebenso wie alle, die die Halden betreten, nicht in Gefahr geraten.
Werden die Brände zu heiß und treten zu viele Gase aus, so wird versucht, die Brandstellen zu sanieren. So wurde beispielsweise in die Halde Graft Moltke III/IV Baustoff eingepresst, um sie zu verdichten. Zusätzlich wurde der brennende Bereich abgedichtet. So soll die Sauerstoffzufuhr unterbunden werden, um den vorhandenen Schwelbrand einzudämmen. Trotz solcher Bemühungen dauern die Schwelbrände weiter an. Im Fall der Halde Graf Moltke III/IV ist der Brand momentan so stark, dass es aus aus Sicherheitsgründen verboten ist, sie zu betreten.



Links
⇒ Brennende Bergbauhalden – Infoseite des BUND Landesverbandes Nordrhein-Westfalen
⇒ Betreten der Moltke-Halde in Gladbeck-Brauck bleibt verboten – Schwelbrand hält an (Stadtspiegel, Juli 2019)
⇒ Brennende Halden: „Ein Problem ist, dass die Brandherde in Bewegung sind“ – WELT, 14.12.2021