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Ruhrgebiet

Als eine Region im Wandel präsentiert sich das heutige Ruhrgebiet. Es zählt derzeit zu den zehn größten Ballungsräumen Europas. Dabei verleugnet es seine industrielle Vergangenheit keineswegs, hat sich aber gleichzeitig ein neues, überraschend grünes Gesicht gegeben. Wo früher Zechen, Kokereien und Stahlwerke das Bild prägten, erstrecken sich heute vielerorts weitläufige Parks, renaturierte Flussauen und grüne Verbindungswege, die ehemalige Industriestandorte miteinander verbinden. Trotzdem ist die Landschaft stark vom Menschen geprägt.

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Steckbrief

Fläche: ~ 4 440 km²
Anzahl Städte: 53
Einwohner*innen: 5 112 050 (Stand: 31. Dezember 2019)
Bevölkerungsdichte: 1 152 Einwohner*innen/km²
West-Ost-Ausdehnung: 116 km von Sonsbeck bis Hamm
Nord-Süd-Ausdehnung: 67 km von Haltern am See bis Breckerfeld
Niedrigster Punkt: 18 m ü. NHN in Xanten
Höchster Punkt: 442 ü. NHN, Wengeberg in Breckerfeld

Flächennutzung

Nach Angaben des Regionalverbandes Ruhr (RVR) stellte sich die Flächennutzung zum 31.12.2019 wie folgt dar:

⇒ 58 % Fläche mit Vegetation
⇒ 29,6 % Siedlungsfläche
⇒ 9,5 % Verkehrsfläche
⇒ 2,9 % Gewässer

Auffällig ist, dass die Vegetationsfläche mehr als die Hälfte der Gesamtfläche ausmacht. Das Ruhrgebiet ist also durchaus ziemlich grün. Viele andere Regionen haben jedoch einen deutlich höheren Vegetationsflächenanteil. Mit insgesamt rund 39 % hat das Ruhrgebiet außerdem den größten Anteil an Siedlungs- und Verkehrsfläche in Nordrhein-Westfalen.

Flüsse

Neben einigen kleineren Fließgewässern sind die Ruhr, die Emscher und die Lippe die drei großen Flüsse, die die Region von Ost nach West durchfließen. Der Rhein fließt hingegen von Süden nach Nordwesten.

Namensgeberin der Region ist die Ruhr. Sie entspringt im Hochsauerland im Rothaargebirge, ist 219,3 km lang und mündet in Duisburg-Ruhrort in den Rhein. Zuvor durchfließt sie auf rund 124 km das Ruhrgebiet. Mit Fröndenberg, Holzwickede, Schwerte, Dortmund, Hagen, Herdecke, Wetter (Ruhr), Witten, Bochum, Hattingen, Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen und Duisburg liegen 14 Ruhrgebietsstädte an diesem Fluss.

Die Ruhr spielt seit langer Zeit eine zentrale Rolle für die Trink- und Brauchwasserversorgung der Region. Während der industriellen Hochphase wurde sie deshalb deutlich weniger stark verschmutzt als viele andere Bäche und Flüsse im Ruhrgebiet. In diesen gab es früher kaum noch tierisches oder pflanzliches Leben. Ihr Lauf wurde verändert, sie wurden in Betonbetten gezwängt und es wurden Abwässer aus dem Bergbau (Grubenwasser), der Industrie sowie aus den Kommunen eingeleitet. Da die Abwasserentsorgung oberirdisch und offen stattfand, verströmten die Gewässer einen beißenden Gestank. So entwickelte sich im Ruhrgebiet der Begriff „Köttelbecke“, eine Zusammensetzung aus der umgangssprachlichen Bezeichnung für Kot („Köttel“) und dem aus dem Niederdeutschen stammenden Wort für Bach („Becke“).

In den 1990er-Jahren begannen die Arbeiten, um die Abwasserentsorgung an der Oberfläche zu beenden. Dies hatte einerseits ökologische Gründe, andererseits sollte dadurch die Bevölkerung entlastet werden. Heute fließt das Abwasser unterirdisch, sodass deutlich weniger Schadstoffe in die Fließgewässer gelangen. Zudem wurden viele von ihnen renaturiert.

Inzwischen gilt die chemische Wasserqualität vielerorts wieder als gut. Was ihren ökologischen Zustand betrifft, besteht allerdings noch immer Verbesserungsbedarf. Dennoch sind bereits zahlreiche Tierarten, die in der Blütezeit der Montanindustrie weitgehend verschwunden waren, in die Ruhr und die anderen Flüsse zurückgekehrt.

Insbesondere im Fall der früher stark mit Abwässern belasteten Emscher wurde dafür sehr viel Zeit und Geld investiert. Die Emschergenossenschaft investierte rund 30 Jahre Arbeit und circa 5,5 Milliarden Euro, um den Fluss abwasserfrei zu gestalten und zu renaturieren. Seit Ende 2022 gelangen keine klärpflichtigen Abwässer mehr in die Emscher, die zuvor fast zwei Jahrhunderte lang stark verschmutzt worden war.

Landschaft

Topographisch liegt das Ruhrgebiet am Übergang mehrerer unterschiedlicher Bereiche. Im Süden steigt das Gelände zur Mittelgebirgsschwelle des Rheinischen Schiefergebirges an: sanfte Höhenrücken und bewaldete Täler prägen dort das Bild. Nach Norden hin öffnet sich das Terrain zur Westfälischen Bucht, wo die Landschaft flacher und offener wird. Auf dieser Grenze zwischen Mittelgebirge und Tiefland entsteht ein spürbarer Wechsel im Relief: von den welligen Höhen des Ruhrtals bis zu den nahezu ebenen Niederungen entlang von Lippe und Emscher.

Naturräumlich gehört das Ruhrgebiet zu mehreren größeren Einheiten, die sich deutlich voneinander unterscheiden. So sind das Niederrheinische Tiefland und die Westfälische Bucht durch flache, ebene Landschaften geprägt. Das Bergische Land und das Sieger- und Sauerland sind dagegen deutlich hügeliger. Im stark besiedelten und vom Menschen veränderten zentralen Teil des Ruhrgebiets ist von den Naturräumen allerdings vielerorts nicht mehr allzu viel zu erkennen. In den Randzonen der Metropolregion und im Ruhrtal lassen sich die ursprünglichen naturräumlichen Merkmale hingegen gut erkennen.

Klima

Die Region liegt überwiegend im Einflussbereich des atlantischen Klimas. Meist wehen Winde aus Südwest oder Nordwest und die Luftfeuchtigkeit ist häufig hoch. Vergleichsweise oft ist der Himmel stark bewölkt. Bisher galten die Sommer als gemäßigt. Im Juli und August fällt durchschnittlich der meiste Niederschlag. Eher mild mit wenigen Schnee- und Frosttagen fallen die Winter aus. Dabei ist die Schneemenge nicht überall gleich. So schneit es beispielsweise im südöstlichen Teil oft mehr als im westlichen Ruhrgebiet.

Deutlich spürbar sind zudem die städtischen Klimaeffekte: In den Zentren der Ruhrgebietsstädte herrschen sowohl im Sommer als auch im Winter höhere Temperaturen als in den Außenbezirken („Wärmeinseln“).

Seit einigen Jahren treten außerdem zunehmend häufiger Wetterextreme auf. So waren beispielsweise Teile des Ruhrgebiets im Sommer 2021 von schweren Überflutungen durch Starkregen betroffen.

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