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Halde Zollern
Eingebettet in die freie Landschaft und trotzdem nur 350 Meter von der ehemaligen Zeche Zollern entfernt, ist die Halde Zollern heute Teil eines Naturschutzgebietes. Jahrzehnte alter Industriewald bedeckt diese Halde, die durch den Dellwiger Bach in zwei Bereiche unterteilt wird.
Inhalt dieser Seite
Steckbrief
Standort: Dortmund-Bövinghausen
Koordinaten: 51° 30′ 49“ N, 7° 19′ 50“ O
Schüttbeginn: 1899
Schüttende: 1958
Maximale Höhe relativ zur Umgebung: 15 m
Höchster Punkt absolut: ca. 121 m ü. NN
Fläche: ursprünglich ca. 6 Hektar, heute kleiner als 5 Hektar
Haldentyp: Tafelberg
Material: Bergematerial
Besonderheit: ist in ein Naturschutzgebiet eingebettet
Begehbar: ja
Eigentümer: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)

Entstehung
Als Abraumberg der Zeche Zollern II/IV entstand rund 350 Meter südwestlich davon die tropfenförmige Halde. Ursprünglich war sie deutlich größer als heute. Ihre maximale Ausdehnung hatte sie vermutlich um das Jahr 1920.
Ihre Entstehung begann im Jahr 1899. Das taube Gestein wurde zunächst auf Schienen, die die Zeche mit der Emschertalbahn verbanden, zur Halde transportiert. Wahrscheinlich wurde das Bergematerial an der Halde mit Baggern oder sogar von Hand entladen. Noch heute sind an einigen Stellen Teile der ehemaligen Gleise zu sehen- Hier und da ragen an den Hängen Schwellen oder Schienen aus dem Bergematerial.

Allerdings verblieb nicht sämtliches taubes Gestein auf dem künstlich geschaffenen Berg, da er nicht nur als endgültige Lagerstätte, sondern auch als Zwischenlager diente. Ein Teil des dort aufgeschütteten Bergematerials wurde später als Versatzmaterial genutzt. Das heißt, es wurde abtransportiert und in nicht mehr benötigte Stollen gebracht, um diese aufzufüllen. Damit sollte dem Auftreten von Bergschäden vorgebeugt werden. Ab 1926 war eine Seilbahn im Einsatz, die die Halde mit der Zeche verband und das Versatzmaterial transportierte.
Obwohl die Zeche Zollern bereits im Jahr 1955 stillgelegt wurde, wurde weitere drei Jahre lang Bergematerial von der Zeche Vereinigte Germania in Dortmund-Marten aufgeschüttet. Bis 1958 wurde außerdem Versatzmaterial entnommen, um unterirdische Hohlräume zu verfüllen. Da es zunehmend schwieriger und damit kostspieliger wurde, Bergematerial auf die Halde zu bringen, wurde diese ab 1958 schließlich aufgegeben. Danach blieb die Halde Zollern vorerst ungenutzt und wurde von der Natur zurückerobert. Dieser Prozess hatte genau genommen sogar bereits in den letzten Jahren ihrer Nutzung begonnen, als sich erste Pflanzen im Randbereich der Halde angesiedelt hatten.
Schon bald hatte sich auf der Halde ein Pionierwald etabliert, der hauptsächlich aus Hänge-Birken (Betula pendula) und verschiedenen Sträuchern bestand. Ab 1979 wurde sie zusätzlich gezielt bepflanzt. In den 1970er-Jahren wurde außerdem der Dellwiger Bach wieder an die Oberfläche geholt, wofür ein Einschnitt in den Abraumberg geschaffen wurde. Als die Halde angelegt worden war, hatte man den Dellwiger Bach in ein unterirdisches Rohr verlegt, das sich tief unter dem Bergematerial befand. Heute teilt das schnurgerade, neu geschaffene Betonbett des Dellwiger Baches die Halde in einen nördlichen und einen südlichen Bereich.
Über Treppen erreichbare Wege und Pfade führen über den Haldenkörper und eröffnen überraschend vielfältige Perspektiven, obwohl die Höhe vergleichsweise niedrig ist. Besonders der Einschnitt mit dem freigelegten Dellwiger Bach wirkt wie ein natürliches Tal inmitten der Haldenlandschaft – allerdings nur, wenn man die Betonschalen, die das Fließgewässer einfassen, ignoriert.
1986 wurde das Naturschutzgebiet Dellwiger Bachtal ausgewiesen, in dem die Halde Zollern liegt. Sie gehört heute außerdem zur Route Industrienatur und ist somit Teil des vielfältigen Netzwerks aus industriellen Relikten, renaturierten Arealen und grünen Freiräumen im Ruhrgebiet.


Lebensräume und Artbeispiele

2. Einschnitt mit Dellwiger Bach
Basierend auf einer Landkarte © OpenStreetMap-Beitragende
1. Industriewald
Bereits Ende der 1950er-Jahre begann die natürliche Verbuschung (Sukzession) der Halde und mit der Zeit bildete sich ein Industriewald. Zu den Arten, die sich dort als erstes ansiedelten, gehörte die auf den Halden des Ruhrgebiets allgegenwärtige Hänge-Birke (Betula pendula). Um 1980 herum wurden weitere Hänge-Birken und Erlen (Alnus spp.) angepflanzt. Etwas später wurden Grauerlen (Alnus incana) und Grau-Pappeln (Populus × canescens) hinzugefügt.
Heute gibt es auf der Halde außerdem einige weitere Arten, darunter Rotbuche (Fagus sylvatica), Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Traubeneiche (Quercus petraea), Eberesche (Sorbus aucuparia) und Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior).

In dem Industriewald sind neben Gehölzen und Sträuchern weitere Pflanzenarten vertreten, darunter Gewöhnlicher Wurmfarn (Dryopteris filix-mas), Gewöhnlicher Efeu (Hedera helix) und verschiedene Brombeerarten (Rubus spp.). Am Boden und auf der Borke der Bäume finden sich verschiedene Moose. Zahlreiche Pilzarten leben am Totholz, das in dem Industriewald an mehreren Stellen liegt, sowie am Boden und parasitär an Pflanzen.
Für viele Tiere ist der Wald der Halde Zollern der ideale Lebensraum. Dort leben Vögel wie die Hohltaube (Columba oenas), der Buntspecht (Dendrocopos major), der Zilpzalp (Phylloscopus collybita) und die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) ebenso wie zahlreiche Wirbellose. Bei genauer Betrachtung lassen sich Insekten, Spinnentiere, Asseln und Springschwänze entdecken.

Mehr Informationen zu Industriewäldern im Allgemeinen gibt es hier.









2. Einschnitt mit Dellwiger Bach
Dem Dellwiger Bach wurde über lange Zeit viel zugemutet. Er diente dazu, ungeklärte Abwässer oberirdisch abzuleiten. Als stinkende Köttelbecke verlief er von Dortmund-Bövinghausen in östlicher Richtung und transportierte das schmutzige Wasser in den Roßbach, einen Zufluss der Emscher. Bereits vor Jahren begann die Emschergenossenschaft damit, die Emscher und ihre Zuflüsse von Abwasser zu befreien und zu renaturieren. Dadurch wurde auch der Dellwiger Bach wieder sauber. Im Bereich der Halde Zollern konnte er aus Sicherheitsgründen jedoch nicht in ein naturnah gestaltetes Bett zurückverlegt werden. Doch obwohl er heute durch Betonschalen fließt, stellt er einen wichtigen Lebensraum im Naturschutzgebiet Dellwiger Bachtal dar. Um die am Bach lebende Artengemeinschaft vor Störungen zu bewahren, soll dieser Bereich der Halde Zollern nicht betreten werden.

Meine Naturbeobachtungen
Obwohl sie sehr viel zu bieten hat, habe ich die Halde Zollern bisher leider kaum näher untersucht. Das plane ich in Zukunft zu ändern. Meine Beobachtungsdaten dokumentiere ich auf dem Meldeportal von NABU|naturgucker, sie sind im Gebiet Halde Zollern zu finden. Die folgende Statistik fasst die Sichtungen zusammen.
Anzahl der Taxa1 pro Artengruppe
Moose: 4
Gefäßpflanzen: 37
Amphibien: 0
Reptilien: 0
Säugetiere: 0
Vögel: 14
Insekten: 42
Sonstige Tiere: 3
Pilze, Flechten und Schleimpilze: 8
Bakterien: 0
Gesamt: 108
Exkursionen: 1
Beobachtungsdatensätze: 112
Bezugszeitpunkt: 05.07.2025
1 Was sind Taxa? Das können Sie hier nachlesen.

Infos für den Besuch
Wer mit dem Pkw anreist, kann entweder im Umfeld der Zeche Zollern oder auf dem Parkplatz am Haus Dellwig (Dellwiger Straße) parken und von dort aus zur Halde gehen. Der Fußweg von der Zeche aus ist kürzer als der von Haus Dellwig zur Halde. Letzterer führt durch den Dellwiger Wald, der Naturinteressierten schöne Beobachtungsmöglichkeiten bietet.
Mit dem Fahrrad ist die Halde ebenfalls entweder von der Zeche oder von Haus Dellwig aus kommend zu erreichen.
Für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bieten sich zwei gute Optionen an. Entweder geht die Fahrt bis zum Bahnhof Dortmund-Bövinghausen und von dort aus circa einen Kilometer zu Fuß bis zum nördlichen Haldenzugang. Die zweite Möglichkeit ist die Fahrt mit dem Bus der Linie 470 bis zur Haltestelle Haus Dellwig. Von dort aus beträgt die zu Fuß zurückzulegende Wegstrecke ebenfalls etwa einen Kilometer.

In der Nähe (Radius 5 km)
Alle in Kilometern angegebenen Distanzen sind Luftlinien.
Bochum
Bis zur Halde Lothringen in Bochum-Gerthe sind es nur etwa 2,75 km.
Castrop-Rauxel
Die Halde Schwerin mit ihrer Skulptur Sonnenuhr befindet sich in 3,66 km Entfernung.
Dortmund
Nur rund 0,5 km entfernt befindet sich das LWL-Museum Zeche Zollern. Das Bergsenkungsgebiet und Naturschutzgebiet Hallerey liegt 4,9 km entfernt.
Links
⇒ Halde Zollern | Industrienatur – Dortmund, Seite des RVR
⇒ Halde Zollern auf Wikipedia.de
⇒ Halde Zollern auf Ruhrgebiet-Industriekultur.de
⇒ Naturschutzgebiet Dellwiger Bachtal (DO-010)