Wiesen-Löwenzahn (Taraxacum officinale agg.), UNESCO-Welterbe Zollverein, 27.04.2025

Pflanzen

Die Flora der Industrienatur-Standorte im Ruhrgebiet ist ein faszinierendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit des Lebens an vom Menschen beeinflusste Bereiche mit oft extremen Umweltbedingungen. Teils bereits während der industriellen Ära, größtenteils aber erst nach dem Ende der Montanindustrie, haben sich auf ehemaligen Werksgeländen, Halden, Bahntrassen und in Bergsenkungsgebieten neue, erstaunlich vielfältige Pflanzengesellschaften entwickelt. In vielen Fällen geschah dies spontan und ohne Begrünung. Andere Bereiche, wie beispielsweise einige Bergehalden, wurden hingegen zumindest teilweise gezielt begrünt.

⇒ das lokale (Groß-)Klima
⇒ der Boden
⇒ der Nährstoffeintrag
⇒ der Wasserhaushalt
⇒ die Entfernung zu Quellen für Material zur Besiedlung (samentragende Pflanzen, Wurzelausläufer im Boden etc.)
⇒ die Nutzung der jeweiligen Fläche durch den Menschen
⇒ die eventuell durchgeführten Pflegemaßnahmen.

Je nach Sukzessionsstadium, also dem Grad der natürlichen Verbuschung, und in Abhängigkeit der zuvor genannten Einflüsse finden sich an den verschiedenen Standorten der Industrienatur oder in deren Teilbereichen andere Pflanzengesellschaften.

Besonders hervorzuheben ist das Vorkommen von Spezialisten, die an die spezifischen Bedingungen der Industrienatur-Standorte angepasst sind. Dazu gehören trockenheitsliebende und salztolerante Arten auf Halden, schwermetalltolerante Pflanzen auf kontaminierten Böden sowie Arten, die von offenen, dynamischen Verhältnissen profitieren. Einige dieser hochspezialisierten Pflanzenarten sind in Deutschland oder zumindest in Nordrhein-Westfalen sehr selten.

Neu entstandene grüne Lebensräume an Industrienatur-Standorten sind jedoch nicht statisch. Vielmehr unterliegen sie einem ständigen Wandel. Es findet eine natürliche Verbuschung, die sogenannte Sukzession, statt. Verschiedene Faktoren beeinflussen deren Ablauf:

Einen Sonderfall stellt die Begrünung von Halden und Industriebrachen dar. Häufig wird zunächst humoser Boden als Vorbereitung für die Bepflanzung aufgetragen. Dies hat maßgeblichen Einfluss darauf, welche Pflanzenarten dort später wachsen können. So können viele niedrige Pionierpflanzen, die an kargen, nährstoffarmen Rohboden angepasst sind, auf humosem Boden beispielsweise nicht überleben. In Bereichen mit humosem Boden finden sich zumeist Arten, die auf eine gewisse Menge Nährstoffe angewiesen sind und höher wachsen.

Bei der Bepflanzung von Halden wurde in der Vergangenheit nicht nur auf mitteleuropäische Arten zurückgegriffen. So wachsen dort heute unter anderem der aus Nordostasien stammende Gewöhnliche Erbsenstrauch (Caragana arborescens) und die ursprünglich in Nordamerika vorkommende Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia).

Als früher Kokereien, Stahlwerke und andere Betriebe per Güterzug noch mit Rohstoffen aus anderen Erdteilen versorgt wurden, gelangten durch diese Warenlieferungen oft Samen von Pflanzen aus anderen Ländern ins Ruhrgebiet. Das lässt sich heute zum Beispiel an den Erztaschen der Henrichshütte in Hattingen gut beobachten, wo noch immer etliche dieser Arten von anderen Kontinenten wachsen.

Artporträts

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