Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia), Halde Hoheward, 27.05.2023

Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia)

Gefiederte Blätter, eine tief gefurchte Borke und duftende, cremeweiße Blütentrauben – damit ist die Gewöhnliche Robinie eine auffällige Erscheinung. Schon vor rund 400 Jahren wurde sie von Menschen nach Europa gebracht und ist heute vielerorts ein fester Bestandteil der Industrienatur. Dank winziger Helfer trägt sie zur Düngung des Bodens bei und (nicht nur) mit ihrem Nektar ernährt sie zuverlässig zahlreiche Insektenarten.

Systematik

⇒ Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
⇒ Ordnung: Schmetterlingblütlerartige (Fabales)
⇒ Familie: Schmetterlingsblütler (Fabaceae)

Infos über die Art

⇒ Wuchshöhe meist 10–20 m (freistehende Exemplare), 20–30 m (geschlossene Bestände)
⇒ Ist ein sommergrüner Baum
⇒ Laubblätter unpaarig gefiedert
⇒ Borke tief gefurcht
⇒ Blütezeit im Mai und Juni, Blüten sehr nektarreich
⇒ Rote Liste NRW: * (ungefährdet)
⇒ Artporträt bei NABU|naturgucker (Bilder/Videos und Beobachtungsdaten)

Wissenswertes

Ursprünglich stammt die Gewöhnliche Robinie aus Nordamerika. Sie kann karge, trockene und nährstoffarme Böden besiedeln, die von vielen anderen Bäumen gemieden werden. Dabei setzt sie auf die Unterstützung von Knöllchenbakterien der Gattung Rhizobium: Bereits kurz nach dem Keimen infizieren diese Bakterien die ersten feinen Wurzeln der Gewöhnlichen Robinie. Mithilfe chemischer Substanzen regen die Bakterien die Wurzeln dazu an, kleine Knöllchen zu bilden. In deren Zellen können die Bakterien gut leben. Auch den Robinien bringen die Wurzelknöllchen einen Vorteil. Sie können den aus der Luft gewonnenen Stickstoff im Boden binden. Mit anderen Worten: Ist ein Standort sehr karg, düngt die Gewöhnliche Robinie ihn einfach selbst. Nachfolgende Pflanzenarten können ebenfalls davon profitieren. In manchen naturnahen Gebieten mit mageren Böden gilt die Gewöhnliche Robinie jedoch als problematisch, da sie zu einer Überdüngung beitragen kann.

In der Industrienatur ist die Gewöhnliche Robinie maßgeblich daran beteiligt, kahle Bereiche auf Halden, stillgelegten Bahnflächen oder Industriebrachen zu begrünen, Bodenerosion zu mindern und die natürliche Verbuschung (Sukzession) anzustoßen. Ihr Holz ist äußerst widerstandsfähig und ihr dichtes Wurzelwerk festigt den Boden. Junge Exemplare der Gewöhnlichen Robinie schützen sich mit Dornen vor Fressfeinden.

Vor allem ihre Blüten sind ökologisch interessant. Sie zählen zu den wichtigsten Nektarquellen in der Stadtnatur. Zahlreiche Wildbienen, Schwebfliegen und weitere Insekten finden in den Blüten reichlich Nahrung. Auch manche Vögel fressen die energiereichen Blüten sehr gern.

Lebensraum

Wärme, Licht und durchlässige Böden – das sind drei Dinge, die die Gewöhnliche Robinie braucht. Man findet sie im Ruhrgebiet auf Bahn- und Straßenböschungen, in Industriewäldern, auf Halden, auf Industriebrachen sowie im Siedlungsbereich, wo sie beispielsweise in vielen Parkanlagen und auf Friedhöfen wächst.

Sie verträgt sowohl Trockenheit als auch zeitweise Staunässe und kann sogar auf verdichteten oder schotterigen Böden gedeihen. Durch Wurzelausläufer können sich einzelne Bestände rasch ausbreiten. Außerdem werden die Samen der Gewöhnlichen Robinie vom Wind verbreitet. Dabei gelangen sie jedoch in den meisten Fällen weniger als 100 Meter weit.

Artennetzwerk – einige Beispiele

Als Nektarlieferantin ist sie für eine Vielzahl von Insekten wichtig. Außerdem sind bestimmte Schmetterlinge, Blattwespen, Gallmücken und Milben auf ihre Blätter als Nahrungsquelle spezialisiert. Die Früchte werden zum Beispiel von Wanzen besaugt.

Ihr Holz wird von verschiedenen Pilzarten zersetzt und auch die grünen Pflanzenteile können Pilzen als Lebensraum dienen. Darüber hinaus gibt es Flechten und Moose, die auf der Borke der Gewöhnlichen Robinie leben.

Für Vögel sind die Bäume ebenfalls ein wichtiger Lebensraum. Bei einigen Vogelarten sind Blütenknospen und aufblühende Blüten, die besonders nektarreich sind, als energiereiche Nahrung beliebt.

Mit folgende Arten ist die Gewöhnliche Robinie vernetzt:

Pilze und Flechten

⇒ Erysiphe palczewskii
⇒ Erysiphe pseudacaciae
⇒ Phloeospora robiniae
⇒ Robinien-Kugelpilz (Diaporthe oncostoma)
⇒ Robinien-Kugelpustelpilz (Massaria anomia)
⇒ Dreifarbige Tramete (Daedaleopsis tricolor)
⇒ Violetter Knorpelschichtpilz (Chondrostereum purpureum)
⇒ Olivgrüne Schwarznapfflechte (Lecidella elaeochroma)
⇒ Gewöhnliche Gelbflechte (Xanthoria parietina)

Insekten

⇒ Robinienblattroll-Gallmücke (Obolodiplosis robiniae)
⇒ Robinien-Blatttütenfalter (Parectopa robiniella)
⇒ Robinien-Faltenminiermotte (Phyllonorycter robiniella)
⇒ Robinien-Blattwespe (Euura tibialis)
⇒ Erdhummeln (Bombus spp.)
⇒ Westliche Honigbiene (Apis mellifera)
⇒ Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus)

Spinnentiere

⇒ Robinienblattrandroll-Gallmilbe (Aculops allotrichus)

Moose

⇒ Verwandtes Steifblattmoos (Lewinskya affinis)

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