Industriewald auf der Halde, UNESCO-Welterbe Zollverein, 02.09.2023

Industriewald auf Zollverein

Zwischen Fördertürmen, Gleistrassen und denkmalgeschützten Backsteinfassaden hat sich auf dem Zollverein-Gelände ein Wald entwickelt, wie es ihn vor wenigen Jahrzehnten noch nicht gab. Der Industriewald ist kein geplant angelegtes Grün, sondern das Ergebnis eines natürlichen Wiederbesiedlungsprozesses, der größtenteils mit der Stilllegung der Zeche und der Kokerei einsetzte, an einer Stelle aber schon sehr viel früher begann. Heute gehört der Industriewald zu den ökologisch wertvollsten Bereichen des Welterbes und zeigt eindrucksvoll, dass sich Natur sogar unter extremen Bedingungen behaupten kann.

Viele Menschen Nehmen das UNESCO-Welterbe Zollverein vor allem als Industriedenkmal wahr. Ohne Zweifel ist es das, aber eben nicht nur. Ein Blick auf ein Luftbild zeigt dies eindrucksvoll: Das weitläufige Gelände beherbergt viel Natur. Nahezu ein Drittel der Fläche ist bewaldet. In diesem Industriewald, den ein Zechenförster im Blick behält, leben heute zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Sie tragen zur enormen Artenvielfalt auf Zollverein bei.

Im Südwesten des Geländes liegt ein größeres, nicht zugängliches Waldstück. Ebenfalls nicht durch Wege erschlossen ist der kleine Wald im Westen und Süden, der an die Halde zwischen Kokerei und Schacht XII grenzt. Lediglich der schmale Waldstreifen entlang der Fritz-Schupp-Allee kann von einem Weg aus erkundet werden. Dieser kleine Bereich hält immer wieder Überraschungen bereit. Dort blüht im Frühling zum Beispiel der Bärlauch (Allium ursinum) und im Herbst zeigt sich der Fliegenpilz (Amanita muscaria).

Ein Teilstück des Waldes auf der Halde zwischen Schacht XII und der Kokerei kann von den dort verlaufenden Wegen aus gut erkundet werden. Dieser Bereich des UNESCO-Welterbes wird als „Skulpturenwald” bezeichnet. Der Wald auf der Bergehalde an der Bullmannaue ist hingegen nicht zugänglich. Er ist interessant, weil er bereits recht alt ist. Im Folgenden werden zwei Waldbereiche ausführlicher vorgestellt.

1. Südwestliches Waldstück (ohne Beschreibung)
2. Südliches Waldstück (ohne Beschreibung)
3. Schmales Waldstück an der Fritz-Schupp-Allee
4. Wald auf der Halde zwischen Schacht XII und Kokerei (Skulpturenwald)
5. Wald auf der Halde Zollverein 1/2/8

Basierend auf einer Landkarte © OpenStreetMap-Beitragende
1. Südwestliches Waldstück (ohne Beschreibung)
2. Südliches Waldstück (ohne Beschreibung)
3. Schmales Waldstück an der Fritz-Schupp-Allee
4. Wald auf der Halde zwischen Schacht XII und Kokerei (Skulpturenwald)
5. Wald auf der Halde Zollverein 1/2/8

Basierend auf einer Landkarte © OpenStreetMap-Beitragende

4. Wald auf der Halde zwischen Schacht XII und Kokerei (Skulpturenwald)

Der Skulpturenwald oder Skulpturenpark auf Zollverein ist ein außergewöhnlicher Ort, an dem Natur, Kunst und Industriekultur miteinander verschmelzen. Wer den Weg durch den Wald nimmt, entdeckt dort viel Industrienatur auch einige Kunstwerke von Ulrich Rückriem.

Alte Luftbilder zeigen, dass sich bereits in den 1960er-Jahren erste Bäume auf einigen Teilbereichen der Halde ansiedeln konnten. Zwischen 1980 und 1990 wurde es noch grüner. Nach der Stilllegung der Zeche und der Kokerei eroberten Pioniergehölze weitere Teile der Halde. Der nördliche Teil des Skulpturenwaldes, durch den ein Rundweg um eine Lichtung auf der Halde führt, bietet Einblicke in diesen Abschnitt des erst wenige Jahrzehnte alten Industriewaldes.

Dort wachsen viele Hänge-Birken (Betula pendula), zwischen denen sich andere Gehölze wie Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Zitter-Pappel (Populus tremula) und Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) finden. Im älteren Teil dieser Deponie stehen zum Haldenfuß hin viele Gewöhnliche Robinien (Robinia pseudoacacia). Weil in den vergangenen Jahrzehnten der eine oder andere Baum umgestürzt ist, gibt es stehendes und liegendes Totholz. Dieses bietet einer Reihe von Pilzen eine Lebensgrundlage. Zudem beherbergt der Industriewald eine Vielzahl von Insekten, die wiederum Vögel anlocken, die sich im Wald leicht mit Nahrung versorgen können. Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) turnen durchs Geäst, während im Unterwuchs Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) zu Hause sind.

Dies sind nur einige Beispiele für die vielfältige Flora und Fauna des Industriewaldes auf dem Gelände von Zollverein. Dort gibt es während aller Jahreszeiten viel zu entdecken.

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Frühling und Herbst im Skulpturenwald, UNESCO-Welterbe Zollverein, 18.05.2022 und 07.11.2023
Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus), UNESCO-Welterbe Zollverein, 03.08.2025
Orangeroter Kammpilz (Phlebia radiata), UNESCO-Welterbe Zollverein, 26.11.2023

5. Wald auf der Halde Zollverein 1/2/8

Die Halde Zollverein 1/2/8 oder Halde Bullmannaue befindet sich im Nordosten des Zollverein-Geländes. Als die Zeche Zollverein 1847/48 ihren Betrieb aufnahm, begann man, das Bergematerial dort abzulagern. Bis 1900 wuchs die Spitzkegelhalde, danach wurde das taube Gestein an anderen Stellen gelagert. Auf historischen Luftbildern aus den Jahren 1925 bis 1930 ist bereits ein dichter Pflanzenbewuchs erkennbar. Der Wald auf dieser Halde ist somit weit über 100 Jahre alt. Sie ist nicht mit Wegen erschlossen und wegen ihrer steilen Hänge lässt sich der Wald dieser Halde nur von ihrem Fuß aus erkunden, sofern man keine waghalsigen Klettereien unternehmen möchte. An einigen Stellen ist die alte Stützmauer der Halde noch heute vorhanden.

Auf der Halde Zollverein 1/2/8 stehen mehrere hohe Gewöhnliche Robinien (Robinia pseudoacacia), einige Hänge-Birken (Betula pendula) und Berg-Ahorne (Acer pseudoplatanus). Es gibt stellenweise dichte Brombeer-Dickichte (Rubus sp.), vereinzelte Exemplare des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) und der Gewöhnlichen Hasel (Corylus avellana) sowie niedrige Pflanzen wie die Gewöhnliche Nelkenwurz (Geum urbanum). Außerdem wachsen auf dieser Halde einige Pflanzenarten, die typischerweise in Wäldern anzutreffen sind. Dazu gehören Gewöhnlicher Efeu (Hedera helix) und Echter Hopfen (Humulus lupulus).

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