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Temporärgewässer auf Zollverein
Bei ausreichendem Niederschlag sammeln sich in mehreren flachen Senken auf der Halde zwischen Schacht XII und der Kokerei auf dem Zollvereingelände Wasser. Diese temporären Gewässer sind für viele Arten überlebenswichtig. Besonders spektakulär sind sie, wenn es über einen längeren Zeitraum stark geregnet hat und fast die gesamte Haldenfläche vorübergehend unter Wasser steht. Dabei ist der Pegelstand an den meisten Stellen so niedrig, dass sich dieser temporäre See in der Sonne stark aufheizt. Entsprechend schnell verdunstet das Wasser und nur die kleineren temporären Gewässer bleiben zurück. Schrumpfen auch diese weiter, wird es für die in ihnen lebenden Tiere eng. Es spielen sich echte Dramen ab, wenn beispielsweise Käfer geschwächte Insektenlarven angreifen. Naturinteressierten bieten die temporären Gewässer spannende Einblicke in die Anpassungsstrategien der einzelnen Arten an die herausfordernden Bedingungen.


2. Temporärgewässer in der Mitte der Halde
3. Temporärgewässer im nördlichen Abschnitt der Halde
Basierend auf einer Landkarte © OpenStreetMap-Beitragende
1. Temporärgewässer am Castell
In unmittelbarer Nähe zur Skulptur „Castell” von Ulrich Rückriem befindet sich eine flache Senke. Nach sehr ergiebigen Niederschlägen verwandelt sie sich in ein bis zu 40 Meter langes und maximal 15 Meter breites temporäres Gewässer. Meist ist es jedoch deutlich kleiner oder aufgeteilt in mehrere kleine temporäre Gewässer.
Dort hat sich der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia) angesiedelt. Auch die Gewöhnliche Sumpfbinse (Eleocharis palustris agg.) hat sich an dieser Stelle ausgebreitet. In der feuchten Uferzone wächst zudem die Flatter-Binse (Juncus effusus) und am Boden finden sich verschiedene Moose, darunter Sternlebermoose (Riccia sp.).

Die Pflanzen beherbergen einige auf sie spezialisierte Tierarten, darunter die Rohrkolbenwanze (Chilacis typhae) und die winzige Gemeine Binsenspornzikade (Conomelus anceps). Zu den häufigsten Insekten in diesem Bereich des UNESCO-Welterbes gehört die Binsenschmuckzikade (Cicadella viridis). Zudem bewohnen verschiedene Insekten und ihre Larven das Wasser selbst. Hierzu gehören verschiedene Libellenlarven sowie der Gelbbraune Zwergschwimmer (Hydroglyphus pusillus), eine nur wenige Millimeter große Käferart. Bei genauer Betrachtung fallen die nur rund einen Millimeter großen Muschelkrebse (Ostracoda) auf, die in diesem Temporärgewässer leben. Am schlammigen Ufer halten sich verschiedene Springschwänze auf, beispielsweise aus der Gattung Isotomurus.

Der prominenteste Bewohner dieses Temporärgewässers ist die Kreuzkröte (Epidalea calamita). Ab dem Frühsommer ist in Gewässernähe größte Vorsicht geboten, da die jungen Kröten an Land gehen. Sie halten sich gerne im feuchten Schlamm zwischen der Vegetation auf und können leicht zertreten werden, wenn man sich dem Gewässer nähert. Um die jungen Amphibien zu schützen, sollten die feuchten Zonen in unmittelbarer Gewässernähe während dieser Zeit nicht betreten werden.
Mehr Informationen zu Temporärgewässern im Allgemeinen gibt es hier.









2. Temporärgewässer in der Mitte der Halde
In der Mitte ist die Halde weitgehend eben. Neben der Ringpromenade befindet sich jedoch eine kleine Senke. Sie ist durch einen kleinen, grasbewachsenen Grünstreifen von dem Weg getrennt. Dort ist der Boden häufig allenfalls ein wenig feucht oder sogar weitgehend trocken. Bei ausreichenden Regenmengen entsteht jedoch ein temporäres Gewässer, das punktuell bis zu zehn Zentimeter tief sein kann. Fällt sehr viel Niederschlag, kann es so groß werden, dass im westlichen Teil der Halde nur noch ein etwa vier Meter breiter Streifen nicht überschwemmt ist. Das Wasser überflutet dann eine Fläche mit niedriger Vegetation. Dabei handelt es sich nicht um typische Wasserpflanzen. Dennoch überleben die meisten Pflanzen diese vorübergehende Überschwemmung.

Vor allem die auf Zollverein lebenden Kreuzkröten (Epidalea calamita) halten sich im Frühling und frühen Sommer in diesem temporären Gewässer auf. Ihre Rufe sind überwiegend nachts zu hören, manchmal sind die typischen Laute der Männchen jedoch auch tagsüber zu vernehmen.
Mehr Informationen zu Temporärgewässern im Allgemeinen gibt es hier.



3. Temporärgewässer im nördlichen Abschnitt der Halde
Der Boden im nördlichen Abschnitt der Halde zwischen Schacht XII und der Kokerei ist neben dem Weg oft feucht. Es gibt mehrere kleine Senken, die sich bei stärkeren Regenfällen zu einer größeren Wasserfläche verbinden. An diesem Temporärgewässer wachsen verschiedene Binsenarten, darunter die Flatter-Binse (Juncus effusus) und die Zarte Binse (Juncus tenuis). In manchen Jahren gelangt dort auch der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia) zur Blüte. Zu den weiteren Arten gehören einige Gräser sowie die allgegenwärtigen „Industrienatur-Klassiker“, die sich mit dem wechselnden Wasserstand arrangieren können. Erstaunlicherweise sind darunter einige Pflanzen, die eigentlich als Spezialisten für besonders trockene Standorte gelten – die Halde auf dem Zollverein-Gelände hält also immer wieder Überraschungen bereit.

An seinem Grund ist das nördliche Temporärgewässer recht schlammig. Für die Larven einer Reihe von Insektenarten sind dies perfekte Bedingungen. So lassen sich im Schlamm beispielsweise Larven von Waffenfliegen (Stratiomyidae) beobachten. Auch Wasserläufer (Gerridae), Ruderwanzen (Corixidae), Gemeine Teichläufer (Hydrometra stagnorum) und Wanzen der Gattung Saldula bewohnen das unbeständige Gewässer. Außerdem leben darin Muschelkrebse (Ostracoda) und aquatische Käfer sowie die Gemeine Sumpfschnecke (Stagnicola palustris).
Dies sind nur einige Beispiele für die zahlreichen Arten, die in diesem Lebensraum anzutreffen sind. Dass dieses Temporärgewässer voller Leben ist, zeigt sich auch daran, dass dort zahlreiche Vögel, von der Bachstelze (Motacilla alba) bis zur Rabenkrähe (Corvus corone), nach Nahrung suchen.
Mehr Informationen zu Temporärgewässern im Allgemeinen gibt es hier.





