
Kreuzkröte (Epidalea calamita)
Tagsüber sieht man sie selten – zumindest als erwachsenes Tier. Die Kreuzkröte ist nachtaktiv und verrät sich im Frühling und Sommer vor allem durch ihre lauten Rufe. Ihr Nachwuchs muss es eilig haben, denn die Kaulquappen entwickeln sich in kleinen Gewässern, die oft schnell austrocknen. Deshalb brauchen Kreuzkröten nur wenige Wochen vom Ei bis zum Landgang der noch winzigen Jungkröten, sofern die Laichgewässer nicht vorher schon all ihr Wasser eingebüßt haben. Im Ruhrgebiet ist die Kreuzkröte eine besondere Charakterart der Industrienatur.
Inhalt dieser Seite
Systematik
⇒ Klasse: Amphibien (Amphibia)
⇒ Ordnung: Froschlurche (Anura)
⇒ Familie: Echte Kröten (Bufonidae)
Infos über die Art
⇒ Männchen 4–6 cm, Weibchen 5–7 cm
⇒ Oberseite: hellbraune Grundfärbung mit bräunlicher bis olivfarbener Marmorierung
⇒ Unterseite (Bauch): hellgraue Grundfärbung mit zartem, dunklen Muster
⇒ Vom Kopf bis zum Ende des Hinterleibs verläuft auf dem Rücken eine dünne, helle Längslinie
⇒ Vorder- und Hinterbeine recht kurz
⇒ Haut trocken und warzig, Warzen am Hinterkopf rötlich gefärbt
⇒ Kopf nach vorne abgeflacht, Schnauze abgerundet
⇒ Pupille waagerecht-elliptisch
⇒ Kaulquappen meist ab April, erwachsene Individuen nach Winterruhe ab April bis in den Herbst
⇒ Rote Liste NRW: 3 (gefährdet)
⇒ Artporträt bei NABU|naturgucker (Bilder/Videos und Beobachtungsdaten)
Wissenswertes
Als Pioniere besiedeln sie neue Lebensräume und damit auch andere Laichgewässer als die, in denen sie geschlüpft sind. Während die Weibchen Strecken von mehreren Kilometern wandern können, sind die Männchen deutlich ortstreuer. Da ihre Hinterbeine relativ kurz sind, bewegen sie sich laufend und nicht hüpfend fort.
Die Tagesverstecke der Kreuzkröte, zum Beispiel lockere Steinhaufen, liegen meist weniger als 100 m vom Laichgewässer entfernt. Ihre Winterruheplätze können sich dagegen in einer Entfernung von bis zu 500 m von den potenziellen Laichplätzen befinden.

Zur Fortpflanzung benötigt die Kreuzkröte flache, sich schnell erwärmende Kleingewässer. Diese sollten möglichst wenig oder keine Vegetation aufweisen und periodisch austrocknen können (Temporärgewässer). All dies trifft auf die weit verbreiteten temporären Gewässer auf Industriebrachen und Halden des Ruhrgebiets zu. Die dort herrschenden Bedingungen bieten den Kaulquappen der Kreuzkröte Schutz vor Fressfeinden wie Fischen und Libellenlarven, die sich in den meisten temporären Gewässern ansiedeln können.
An ihrer Kehle haben die Männchen eine Schallblase. Damit erzeugen sie in der Paarungszeit ihre lauten Rufe, die im Frühjahr und Sommer nachts an vielen Industrienatur-Standorten des Ruhrgebiets zu hören sind. Weibliche Kreuzkröten legen ihre Eier in ein- oder zweireihigen Laichschnüren ab, die in der Regel am Gewässergrund liegen. Ein Weibchen kann zwischen 2800 und 4000 Eier produzieren.
Kurz nach dem Ablaichen schlüpfen die Larven. Bis sich die Kaulquappen zu kleinen Kröten entwickelt haben, vergehen unter günstigen Bedingungen nur drei bis sechs Wochen.






Lebensraum
Ursprünglich bewohnte die Kreuzkröte vor allem naturbelassene Auenlandschaften mit sandigen und kiesigen Ufern. Durch menschliche Eingriffe sind diese Lebensräume jedoch stark zurückgegangen. Als Pionierart hat sich die Kreuzkröte erfolgreich neue, vom Menschen geschaffene Lebensräume erschlossen. Sie besiedelt als eine der ersten Arten Abbaustätten wie Kies-, Sand- und Tongruben, Truppenübungsplätze und im Ruhrgebiet Industriebrachen und Halden. Diese Region ist heute ein wichtiger Verbreitungsschwerpunkt der Kreuzkröte in Nordrhein-Westfalen.
Oft leben in den Laichgewässern der Kreuzkröte auch Muschelkrebse, die wie sie typische Tiere der Industrienatur sind.



Bedrohungen
Im Ruhrgebiet ist die Kreuzkröte durch verschiedene Faktoren bedroht, unter anderem durch die mögliche Bebauung und Umnutzung von Industriebrachen sowie durch das Zuwachsen der Flächen (natürliche Sukzession).
Außerdem sind die Kaulquappen in den Temporärgewässern buchstäblich ein gefundenes Fressen für viele andere Tiere, darunter Rabenkrähen (Corvus corone). Außerdem werden die Larven immer wieder von Hunden zertrampelt, die an den Industrienatur-Standorten ausgeführt werden und die sich in den Temporärgewässern abkühlen.
Eine weitere große Bedrohung geht von Trockenperioden aus, wie sie in den letzten Jahren immer häufiger auftreten. Sie führen zu einem raschen und lang anhaltenden Austrocknen der Temporärgewässer. Dauern diese Trockenperioden zu lange an, kann dies den Fortpflanzungserfolg der Kreuzkröte erheblich beeinträchtigen.
Der Schutz der Kreuzkröte ist im Ruhrgebiet besonders wichtig, denn hier liegt einer der Verbreitungsschwerpunkte Nordrhein-Westfalens. Somit gilt sie als regionale Verantwortungsart.
Verwechslungsarten
An den Industrienatur-Standorten des Ruhrgebiets kommt neben der Kreuzkröte eine Reihe weiterer Amphibienarten vor. In den verschiedenen Entwicklungsstadien sind unterschiedliche Verwechslungen möglich.
Laich, Kaulquappen und Metamorphlinge im Wasser
Wie die Kreuzkröte legt auch die Erdkröte (Bufo bufo) ihre Eier in Form langer Laichschnüre im Wasser ab. Während die Laichschnüre der Kreuzkröte einfach auf dem Grund liegen, wickelt die Erdkröte ihre Laichschnüre häufig unter Wasser um Pflanzen. In Gewässern ohne Pflanzen können die Laichschnüre der Erdkröte jedoch ebenfalls am Grund liegen. Erdkröten pflanzen sich allerdings nicht hauptsächlich in Temporärgewässern fort, die mehr oder weniger schnell austrocknen, wie es bei der Kreuzkröte der Fall ist. Stattdessen laichen sie meist in mittelgroßen bis größeren Seen, die nicht allzu rasch austrocknen.
Die Kaulquappen der Erdkröte ähneln denen der Kreuzkröte stark. Das gilt insbesondere für die Larven kurz nach dem Schlüpfen. Metamorphlinge der Erdkröte, die noch ihren Kaulquappenschwanz und bereits vier Beine haben und im Wasser leben, haben keinen angedeuteten hellen senkrechten Strich auf dem Rücken.
Jüngere Kaulquappen der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), die sich im Ruhrgebiet punktuell in Gewässern an Industrienatur-Standorten fortpflanzt, sind meist nur für Fachleute von denen der Kreuzkröte zu unterscheiden. Ältere Kaulquappen und Metamorphlinge der Geburtshelferkröte lassen sich aufgrund ihrer insgesamt helleren Färbung und des fehlenden senkrechten hellen Strichs auf dem Rücken recht gut erkennen. Zudem sind die älteren Kaulquappen dieser Amphibienart häufig deutlich größer als Kaulquappen der Kreuzkröte im selben Entwicklungsstadium.
Weitere Verwechslungskandidaten hinsichtlich der Kaulquappen sind der Grasfrosch (Rana temporaria) und die Wasser- bzw. Grünfrösche (Pelophylax spec.). Diese Frösche pflanzen sich jedoch typischerweise nicht in kleinen, meist sehr flachen Temporärgewässern, sondern in Teichen und Seen fort. Vor allem der Grasfrosch nutzt beispielsweise in Wäldern auch Entwässerungsrinnen und Gräben für die Fortpflanzung. Der Laich der Gras- und Grünfrösche ist leicht von dem der Kreuzkröte zu unterscheiden, da er in Laichballen und nicht in Schnüren abgelegt wird. Zudem laichen die Grasfrösche deutlich früher im Jahr als die Kreuzkröte.






Junge, an Land lebende sowie erwachsene Individuen
Bei flüchtigem Hinsehen ist eine Verwechslung mit der Erdkröte (Bufo bufo) möglich. Männchen erreichen eine Körperlänge von bis zu 9 cm, Weibchen sogar bis zu 12 cm. Damit sind sie deutlich größer als die Kreuzkröte. Sie zeigen keinen hellen senkrechten Strich auf der Oberseite des Körpers.


