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Natternkopf-Netzwanze (Dictyla echii)
Sie ist winzig, filigran und leicht zu übersehen: Die Natternkopf-Netzwanze gehört zu den Insekten, die ihre ganze Besonderheit erst bei genauerer Betrachtung preisgeben. Mit ihrer fein durchbrochenen, netzartig wirkenden Körperoberseite sitzt sie meist gut getarnt auf dem Gewöhnlichen Natternkopf, ihrer bevorzugten Nahrungspflanze.
Inhalt dieser Seite
Systematik
⇒ Klasse: Insekten (Insecta)
⇒ Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
⇒ Unterordnung: Wanzen (Heteroptera)
⇒ Familie: Netzwanzen (Tingidae)
Infos über die Art
⇒ Körperlänge etwa 3,2–3,8 mm
⇒ Flach gebauter Körper mit auffälliger, netzartig strukturierter Oberseite
⇒ Grundfärbung hellgrau bis gelblich, oft mit dunkleren Zeichnungselementen
⇒ Ernährt sich von Pflanzensäften
⇒ Erwachsene Individuen (Imagines) meist ab April bis August
⇒ Nymphen treten im Juni und Juli auf, bei einer zweiten Generation im September
⇒ Überwinterung als erwachsenes Tier
⇒ Rote Liste NRW: * (ungefährdet)
⇒ Artporträt bei NABU|naturgucker (Bilder/Videos und Beobachtungsdaten)

Wissenswertes
Was ihre Ernährung angeht, ist die Natternkopf-Netzwanze ein ideales Beispiel für eine hochspezialisierte Pflanzenwanze. Sie lebt fast ausschließlich auf Natternköpfen, im Ruhrgebiet besiedelt sie den Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare). Gelegentlich saugt sie aber auch an anderen Raublattgewächsen (Boraginacea), darunter Ochsenzungen (Anchusa spp.), Hundszungen (Cynoglossum spp.) und Beinwell (Symphytum spp.). Mit ihrem stechsaugenden Mundwerkzeug sticht die Natternkopf-Netzwanze die Pflanzenteile an und saugt den Zellsaft. Bei stärkerem Befall kann dies zu einer deutlichen Schwächung der Wirtspflanzen führen.

Ihr typisches Erscheinungsbild verdankt sie den stark verbreiterten Flügeln und dem Halsschild, die beide von feinen Adern durchzogen sind. Diese netzartige Struktur ist nicht nur dekorativ, sondern dient vor allem der Tarnung, da sie die Konturen des Körpers auflöst. Nymphen, also heranwachsende Natternkopf-Netzwanzen, sind dunkelgrau bis fast schwarz und zeigen noch nicht das netzartige Muster der Alttiere.
Ein weiterer Name dieser Wanzenart lauten Natternkopf-Gitterwanze.






Lebensraum
Trotz ihres zarten Aussehens ist die Natternkopf-Netzwanze gut an trockene, warme Bedingungen angepasst. Bevorzugt besiedelt die Natternkopf-Netzwanze sonnige, trockene und nährstoffarme Standorte, an denen ihre Wirtspflanze wächst. Dazu zählen Magerrasen, Böschungen, Wegränder und Ruderalflächen. Im Ruhrgebiet ist sie vor allem an Industrienatur-Standorten anzutreffen, etwa auf Halden, Industriebrachen und ehemaligen Gleisanlagen. Diese Orte bieten die offenen Bodenstellen und das warme Mikroklima, von denen sowohl die Pflanze als auch die Wanze profitieren. Wo sich der Gewöhnliche Natternkopf als Pionierpflanze etabliert, folgt meist schnell die Natternkopf-Netzwanze.


Verwechslungsart
Die Natternkopf-Netzwanze kann leicht mit der Beinwell-Netzwanze (Dictyla humuli) verwechselt werden, da beide Arten ähnlich klein sind und den für Netzwanzen typischen, netzartig durchbrochenen Körperbau besitzen. Eine sichere Unterscheidung ist im Gelände nicht immer einfach, doch es gibt einige hilfreiche Hinweise.
Ein wichtiges Merkmal ist die Wirtspflanze: Im Ruhrgebiet lebt die Natternkopf-Netzwanze nahezu ausschließlich am Gewöhnlichen Natternkopf, die Beinwell-Netzwanze findet man dagegen vor allem an Beinwell-Arten (Symphytum spp.), seltener auch an verwandten Raublattgewächsen.

Darüber hinaus wirkt die Beinwell-Netzwanze meist etwas gedrungener. Bei genauer Betrachtung zeigen sich zudem Unterschiede in der Form des Halsschildes, der Flügelnetzzeichnung sowie der Fühler- und Beinfärbung. Diese sind jedoch häufig nur bei sehr aufmerksamer Betrachtung aus der Nähe zu erkennen.
Tipp: Detaillierte Beschreibungen der beiden Arten finden sich auf der Wanzen-Website von Gregor Tymann: Porträt Dictyla echii und Porträt Dictyla humuli.