
Wanzen
Die Wanzen (Heteroptera) bilden eine artenreiche Unterordnung der Schnabelkerfe (Hemiptera); einige Fachleute stufen sie allerdings als eigenständige Insektenordnung ein. Derzeit sind der Wissenschaft rund 43 000 Wanzenarten bekannt. Darunter gibt es Landwanzen, die vor allem auf Pflanzen leben, sowie Wasserwanzen, die sich im oder auf dem Wasser bewegen. Nur wenige Millimeter messen die kleinsten Wanzenarten, die größten bringen es auf eine Körperlänge von bis zu 12 cm. Letztere gehören zur Familie der Riesenwanzen (Belostomatidae), die in Deutschland jedoch nicht vorkommt.
Typisch für Wanzen ist ihr stechend-saugender Rüssel, mit dem sie Pflanzensäfte oder – je nach Art – auch Flüssigkeiten tierischen Ursprungs aufnehmen. Während viele Wanzenarten auffällig gefärbte Deckflügel besitzen, fügen sich andere durch ihre sehr schlichte Färbung perfekt in ihre Umgebung ein und sind leicht zu übersehen.



Um Weibchen auf sich aufmerksam zu machen, setzen manche Wanzenmännchen spezielle Duftstoffe, sogenannte Pheromone, ein. Es gibt außerdem Wanzenarten, bei denen die Männchen die Pflanzen, auf denen sie stehen, in Schwingungen versetzen. Das lockt wiederum die Weibchen an. Haben sich zwei Partner gefunden, fügen sie ihre Hinterleibsenden so zusammen, dass sie „Hintern an Hintern” verweilen, bis die Paarung beendet ist. Bei manchen Arten kann das mehrere Stunden dauern.
Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in der Regel auf Pflanzen oder im Boden ab. Aus diesen schlüpfen Nymphen, wie die Larven der Wanzen genannt werden. Wanzennymphen ähneln den erwachsenen Tieren bereits stark in ihrem Aussehen. Sie sind aber deutlich kleiner und besitzen noch keine vollständig entwickelten Flügel.
In der folgenden Zeit durchlaufen die Nymphen mehrere Häutungen, bis sie schließlich ausgewachsen sind. Je nach Art haben sie dann allerdings nicht unbedingt große Flügel, denn es gibt kurzflügelige Wanzenarten und Arten, bei denen nicht alle erwachsenen Individuen über voll ausgebildete Flügel verfügen.






Wanzen besiedeln auf der Erde eine große Bandbreite von Lebensräumen – von Wiesen und Wäldern über Uferbereiche bis hin zu trockenen Gebieten. In Deutschland sind rund 1 000 Arten vertreten. Etliche davon sind an den Industrienatur-Standorten des Ruhrgebiets anzutreffen, darunter eine Reihe sehr wärmeliebender Arten. Offene, sonnenexponierte Flächen mit lockerem Bewuchs, Schotterstreifen und strukturreiche Vegetation bieten ihnen ideale Bedingungen.
Einige spezialisierte Arten sind auf solche Standorte angewiesen und profitieren von dem Mosaik aus Pionierpflanzen, kahlen Stellen und geschützten Kleinstrukturen. Daneben kommen etliche Generalisten vor, die auch in anderen Regionen des Ruhrgebiets bzw. Deutschlands häufig sind.