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Birkenwanze (Kleidocerys resedae)
Klein, unscheinbar und manchmal in großen Gruppen anzutreffen: Die Birkenwanze ist eine der häufigsten Wanzenarten Mitteleuropas. Wer im Ruhrgebiet aufmerksam an Birken vorbeigeht, kann sie dort entdecken. Ihre dezente Färbung bietet ihr aber eine gute Tarnung – vor allem, wenn sie sich auf den bräunlichen Samenständen der Birken aufhält.
Inhalt dieser Seite
Systematik
⇒ Klasse: Insekten (Insecta)
⇒ Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
⇒ Unterordnung: Wanzen (Heteroptera)
⇒ Familie: Bodenwanzen oder Langwanzen (Lygaeidae)
Infos über die Art
⇒ Körperlänge 4–6 mm
⇒ Färbung rötlichbraun, Vorderflügel durchsichtig
⇒ Beine rötlich
⇒ Nutzt vor allem Birken (Betula spp.) als Nahrungspflanzen
⇒ Sondert bei Bedrohung ein unangenehm riechendes Wehrsekret ab
⇒ Erwachsene Individuen von März bis September/Oktober, Larven meist von Juni bis August
⇒ Eine Generation pro Jahr
⇒ Überwinterung als erwachsenes Tier (Imago)
⇒ Rote Liste NRW: * (ungefährdet)
⇒ Artporträt bei NABU|naturgucker (Bilder/Videos und Beobachtungsdaten)

Wissenswertes
Die Birkenwanze ist ein typisches Beispiel für eine Art, die von der Ausbreitung der Birken profitiert. Als Pionierbäume besiedeln im Ruhrgebiet Hänge-Birken (Betula pendula) schnell offene, nährstoffarme Flächen – und die Wanze folgt ihnen dorthin. Ihre Bestände können stark schwanken. In manchen Jahren gibt es nur relativ wenige Individuen, in anderen tritt die Art in Massen auf.
Diese kleinen Insekten leben meist gesellig und sammeln sich an warmen Stellen der Rinde oder an Samenständen. Sowohl die erwachsenen Individuen als auch die Nymphen saugen dort Pflanzensäfte. Mitunter wechselt die Birkenwanze zu tierischer Kost und sticht kleine Insekten oder Insekteneier an, um an ihnen zu saugen. Auf krautigen Pflanzen lassen sich diese Wanzen ebenfalls manchmal beobachten.



Nach der Paarung im Frühling legen die Weibchen zumeist im Mai und Juni ihre Eier ab. Diese werden an den unreifen Fruchtständen der Nahrungspflanzen platziert. Frisch geschlüpfte Nymphen, also Jungtiere im Larvenstadium 1 (L1), haben einen dunklen Kopf und einen rötlichen Körper. In den folgenden Larvenstadien (L2 bis L5) wird der Körper zunächst rotbraun und dann braun. Innerhalb weniger Wochen entwickeln sich die jungen Birkenwanzen zu erwachsenen Tieren.
Wenn es im Herbst kühler wird, suchen die Birkenwanzen nach geschützten Plätzen zur Überwinterung, zum Beispiel unter loser Baumrinde.



Lebensraum
Im Ruhrgebiet ist die Birkenwanze weit verbreitet. Sie lässt sich besonders häufig an Birkenbeständen der Industrienatur beobachten, beispielsweise auf Industriebrachen, Halden, aufgelassenen Gleisanlagen und in einigen Bergsenkungsgebieten.
Obwohl die Birkenwanze im Ruhrgebiet weit verbreitet ist, wird sie meist übersehen. Sie ist jedoch ein spannendes Beispiel dafür, wie unscheinbare Insekten Teil einer dynamischen Stadtnatur sind, die sich ständig weiterentwickelt.

