Distelfalter (Vanessa cardui), Halde Rheinelbe, 28.06.2016

Schmetterlinge

Schmetterlinge, in der Wissenschaft als Lepidoptera bezeichnet, gehören zu den auffälligsten und zugleich empfindlichsten Insekten. Weltweit sind mehr als 180 000 Arten bekannt, in Deutschland rund 3 700. Nur etwa 180 Arten, also ein kleiner Teil, fliegt am Tag und wird als Tagfalter bezeichnet. Die übrigen überwiegend nachtaktiven Falter sind meist unscheinbarer, aber nicht weniger vielfältig.

Vor allem die Tagfalter haben ein gutes Image, weil sie hübsch aussehen. Nachtfalter hingegen werden häufig als Motten bezeichnet und sind weniger beliebt. Echte Motten sind übrigens nur eine von zahlreichen Familien aus der Gruppe der Nachtfalter. Die Bezeichnung „Motten” passt daher gar nicht zu allen nachtaktiven Schmetterlingen.

Alle hierzulande vorkommenden Schmetterlingsarten haben eine arttypische Flugzeit. Damit ist die Zeitspanne gemeint, in der die erwachsenen Tiere in der Natur anzutreffen sind. Die meisten Arten sind in den warmen Monaten des Jahres zu beobachten, doch es gibt auch im Winter aktive Schmetterlingsarten. Ein weiteres spannendes Detail: Nicht nur viele der in Mitteleuropa vorkommenden Vögel ziehen im Herbst in den Süden. Manche Schmetterlinge tun es ihnen gleich.

Alle Vertreter der Ordnung der Schmetterlinge durchlaufen eine vollständige Verwandlung: Aus dem Ei schlüpft zunächst eine Larve, die als Raupe bezeichnet wird. Schmetterlingsraupen fressen sehr viel und einige von ihnen sind auf gewisse Pflanzen als Nahrung spezialisiert. Einige Raupen ernähren sich beispielsweise von Flechten. Je stärker die Raupen auf bestimmte Nahrungsquellen spezialisiert sind, desto schwieriger ist es für sie, wenn diese Pflanzen verschwinden.

Nach mehreren Häutungen verpuppt sich die Raupe. Aus der Puppe kommt nach einiger Zeit der erwachsene Falter hervor. In dieser Lebensphase suchen viele Schmetterlinge Blüten auf, um sich zu ernähren. Einige wenige Arten nehmen als erwachsene Individuen keine Nahrung zu sich. Das Wichtigste im Leben dieser filigranen Fluginsekten ist die Fortpflanzung.

Die Industrienatur des Ruhrgebiets bietet überraschend viele Rückzugsräume für Schmetterlinge. Auf Bergehalden, Brachflächen und in Bergsenkungsgebieten haben sich Blütenpflanzen angesiedelt, die in der intensiv genutzten Umgebung sonst kaum noch zu finden sind. Arten wie Bläulinge, Weißlinge und etliche Nachtfalter profitieren davon, da sie auf die offenen, warmen Standorte angewiesen sind.

Gleichzeitig zählen Schmetterlinge zu den am stärksten bedrohten Insektengruppen. Die Gründe dafür sind vor allem der Verlust blütenreicher Wiesen, der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel, das Zuwachsen offener Flächen sowie Hitze- und Dürreperioden, durch die die Nahrungspflanzen der Raupen vertrocknen. Wo Industrienatur jedoch erhalten und gepflegt wird, entstehen wertvolle Ersatzlebensräume. Dies zeigt, dass sich Natur und Industriekultur im Ruhrgebiet verbinden lassen.

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