Artenschutzgewässer auf der Halde, UNESCO-Welterbe Zollverein, 17.04.2023

Permanente Gewässer auf Zollverein

Viele Tiere sind auf Gewässer als Lebensraum und zur Fortpflanzung angewiesen. Sie haben allerdings durchaus unterschiedliche Ansprüche. So bevorzugt die Kreuzkröte (Epidalea calamita) beispielsweise meist temporäre Gewässer, während andere Arten darauf angewiesen sind, dass die von ihnen bewohnten Gewässer nicht austrocknen. Ähnliches gilt für Wasserpflanzen und einige Vertreter der Ufervegetation.

Auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein gibt es mehrere größere permanente Gewässer, die nur selten vollständig austrocknen. Das könnte sich allerdings in Zukunft ändern, wenn in den zunehmend heißeren Sommern lange Hitze- und Trockenperioden zunehmen. In und an diesen Gewässern kommt eine interessante Artengemeinschaft vor, die maßgeblich zur enormen Vielfalt im Zollverein Park beiträgt.

1. Regenrückhaltebecken am Parkplatz C

Noch bis Anfang der 2010er-Jahre wuchs unweit der Ringpromenade und des Bereichs, an dem sich heute der Parkplatz C befindet, ein kleiner, junger Industriewald. Im Zuge der Realisierung des Zollverein Parks, der einerseits interessierte Menschen über das Welterbe-Gelände leiten und andererseits der Natur Raum bieten soll, wurde dort 2014 ein etwa 70 Meter langes und 25 Meter breites Gewässer angelegt, das von Regenwasser gespeist wird. In der nördlichen Hälfte liegt eine circa 120 Quadratmeter große erhöhte Fläche, auf die sich die am Gewässer lebenden Tiere zurückziehen können.

Da das Regenüberlaufbecken vollständig eingezäunt ist, kann es nur von seinem südlichen Ende aus durch den Zaun betrachtet werden. So sind die dort lebenden Tiere vor Störungen durch Menschen sicher.

Am Regenrückhaltebecken lassen sich regelmäßig Teichhühner (Gallinula chloropus) beobachten. Gelegentlich sind dort auch andere Wasservögel wie Stockenten (Anas platyrhynchos), Kanadagänse (Branta canadensis) und Nilgänse (Alopochen aegyptiaca) zu sehen. Bachstelzen (Motacilla alba) suchen an den steilen Ufern gern nach Nahrung und im Sommer ziehen zahlreiche Libellen über dem Gewässer ihre Bahnen, darunter die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) und die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum).

In manchen Jahren wachsen zahlreiche Exemplare des Blut-Weiderichs (Lythrum salicaria) im flachen Wasser. Außerdem gibt es dort Gewöhnliches Schilf (Phragmites australis) und Breitblättrigen Rohrkolben (Typha latifolia).

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Teichhuhn (Gallinula chloropus), UNESCO-Welterbe Zollverein, 01.03.2023
Kanadagänse (Branta canadensis) mit Nachwuchs, UNESCO-Welterbe Zollverein, 07.05.2023
Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum), UNESCO-Welterbe Zollverein, 08.07.2023

2. Artenschutzgewässer südlich des Portalkratzers

Um Arten zu unterstützen, die auf Wasser als Lebensraum angewiesen sind, wurde südlich des Portalkratzers im Jahr 2013 ein etwa 1.100 Quadratmeter großes Gewässer angelegt. Es ist eingezäunt und von relativ dichter Vegetation umgeben. Daher ist es nur einsehbar, wenn die Bäume wenig oder kein Laub tragen. Von der nördlichen Gleisharfe aus kann man einen Blick auf diesen interessanten Lebensraum werfen. Im Herbst 2025 hatte ich die Gelegenheit, mir das Artenschutzgewässer aus der Nähe anzuschauen. Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass dort viele Libellenarten leben. Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch einmal die Artenvielfalt des Gewässers erkunden kann, denn dort dürften auch interessante Wasserinsekten wie Wanzen und Käfer vorkommen. Für verschiedene Vogelarten, darunter Graureiher (Ardea cinerea), ist es ebenfalls ein Anziehungspunkt.

Grafik gut zu wissen

Ein Portalkratzer ist ein großes, schienengebundenes Fördergerät. Seine Aufgabe ist es, Schüttgüter wie Kohle, Erz oder Koks gleichmäßig von einem Lagerplatz abzutragen oder umzuschichten. Er fährt über das Material, löst es mit seinen Kratzarmen und befördert es meist auf Förderbänder oder in Sammelbereiche.

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3. Gewässer auf der Halde Skulpturenwald

Auf älteren Luftbildern ist zu erkennen, dass sich auf der Halde zwischen Schacht XII und der Kokerei schon vor mehreren Jahrzehnten in einigen Senken Gewässer gebildet haben. Einer dieser Bereiche ist bis heute mit Wasser gefüllt, sofern es nicht über einen längeren Zeitraum hinweg zu heiß und zu trocken ist. Im nördlichen Teil der großen „Lichtung” im Industriewald gibt es zwei durch eine schmale Landbrücke voneinander getrennte Gewässer. Nur nach sehr ergiebigen Regenfällen steigt der Wasserpegel so hoch, dass diese Landbrücke überflutet wird. Das westliche Gewässer ist etwa 15 Meter breit und 7 Meter lang. Es wurde Anfang der 2020er-Jahre mit Teichfolie ausgelegt. Sein benachbartes Gewässer ist nur etwa halb so groß.

In der näheren Umgebung des größeren Gewässers gibt es einen Bestand des Blut-Weiderichs (Lythrum salicaria). Direkt am Ufer wachsen verschiedene Pflanzenarten, die feuchte Standorte bevorzugen, darunter das kleine und eher unauffällige Knick-Fuchsschwanzgras (Alopecurus geniculatus).

Im Wasser haben sich unter anderem Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia), Gewöhnliche Teichsimse (Schoenoplectus lacustris agg.), Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris), Gewöhnlicher Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica) und Gewöhnliche Sumpfbinse (Eleocharis palustris agg.) angesiedelt.

Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris agg.), UNESCO-Welterbe Zollverein, 22.10.2022
Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris agg.), UNESCO-Welterbe Zollverein, 22.10.2022

Auch die Fauna ist reichlich vertreten. Amphibien wie die Erdkröte (Bufo bufo) und der Teichmolch (Lissotriton vulgaris) laichen in den beiden Gewässern. Darüber hinaus kommen darin Weichtiere wie die Gemeine Kugelmuschel (Sphaerium corneum) vor. Im oder auf dem Wasser sowie auf den Pflanzen leben verschiedene Wanzen- und Käferarten. Mehrere Libellenarten, darunter die Hufeisen-Azurjungfern (Coenagrion puella) und der Plattbauch (Libellula depressa), nutzen das Gewässer zur Fortpflanzung. Vor allem die Blüten des Blut-Weiderichs locken Schmetterlinge, Schwebfliegen und Wildbienen an. Mehrere Spinnenarten, die das Gewässer als Lebensraum benötigen, lassen sich ebenfalls dort antreffen.

Beim Beobachten der Natur an diesem Gewässer ist größte Vorsicht geboten. Es steht unter Naturschutz, obwohl keine Schilder auf diesen besonderen Status hinweisen. Ich setze dort beim Fotografieren und Filmen gern ein starkes Teleobjektiv ein, um ausreichenden Abstand zu diesem empfindlichen Lebensraum zu halten.

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Gemeine Kugelmuschel (Sphaerium corneum), UNESCO-Welterbe Zollverein, 10.11.2024
Hufeisen-Azurjungfern (Coenagrion puella) im Tandem, UNESCO-Welterbe Zollverein, 18.06.2022
Große Königslibellen (Anax imperator) im Flug, UNESCO-Welterbe Zollverein, 17.07.2022
Weiblicher Plattbauch (Libellula depressa) bei der Eiablage, UNESCO-Welterbe Zollverein, 18.06.2022
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