
Käfer
Mit weltweit über 350 000 beschriebenen Arten stellen Käfer die bei weitem formenreichste Ordnung im Tierreich dar. Auch in Deutschland sind sie mit derzeit rund 7 000 Arten die artenreichste Insektenordnung. Ihr Erfolg beruht auf einem evolutionären Prinzip, das es ihnen ermöglicht hat, nahezu jeden denkbaren Lebensraum zu besiedeln – von tiefen Wäldern und Gewässern bis hin zu urbanen Gärten und den kargen Flächen der Industrielandschaft.
Das markanteste Merkmal der Käfer sind ihre schützenden Deckflügel, die sogenannten Elytren. Dabei handelt es sich um das verhärtete vordere Flügelpaar, unter dem die zarten, häutigen Hinterflügel sicher verstaut werden. Ihre robuste „Rüstung” schützt die Tiere nicht nur vor mechanischen Verletzungen und Fressfeinden, sondern dient zudem als wirksamer Verdunstungsschutz.



Käfer durchlaufen eine vollständige Metamorphose. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich in ihrer Erscheinung und oft auch in ihrer Lebensweise deutlich von den erwachsenen Tieren unterscheiden. Nach einer Puppenphase schlüpft schließlich das fertige Insekt (Imago). Diese Trennung der Lebensweisen zwischen Larve und Käfer ist ökologisch höchst effizient, da sie in etlichen Fällen unterschiedliche Nahrungsquellen nutzen und somit die Konkurrenz innerhalb der eigenen Art minimieren.
In den Ökosystemen besetzen Käfer eine beeindruckende Bandbreite an Nischen. Während viele Arten räuberisch leben und die Bestände anderer Wirbelloser regulieren, beeinflussen Pflanzenfresser die Vegetation. Eine Schlüsselrolle nehmen die sogenannten saprobiontischen Arten ein. Sie zersetzen abgestorbenes pflanzliches und tierisches Material sowie Dung. Ohne ihr Wirken würde sich organisches Material in der Landschaft ansammeln und wichtige Nährstoffe wären gebunden, anstatt wieder in den Stoffkreislauf überzugehen. Zudem gibt es Käferarten, die im Wasser leben.



Gerade im Ruhrgebiet bietet die Industrienatur wertvolle Ersatzlebensräume für hochspezialisierte Käferarten. Auf Industriebrachen, alten Bahntrassen und Halden finden sie beispielsweise offene Rohböden und sonnendurchflutete Pioniervegetation – Strukturen, die in der intensiv genutzten Agrarlandschaft selten geworden sind. Dort entfaltet sich eine beeindruckende Vielfalt, die verdeutlicht, wie wichtig diese vom Menschen geschaffenen Landschaften für den Erhalt der Käferfauna sind.
Artporträts
Bisher gibt es erst wenige Artporträts, doch an weiteren Beschreibungen wird derzeit gearbeitet.