Wiese am Kühlturm, UNESCO-Welterbe Zollverein, 19.07.2025

Wiesen auf Zollverein

Auf dem etwa 100 Hektar großen Zollverein-Gelände gibt es mehrere unterschiedlich große Wiesenflächen. Historische Luftbilder zeigen, dass viele dieser Bereiche früher bebaut waren oder anderweitig genutzt wurden. Während die Zeche und die Kokerei noch in Betrieb waren, gab es dort keine Pflanzen. Mit deren Stilllegung begann die Rückkehr der Natur. Seit Zollverein im Jahr 2001 zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde, sind weitere Wiesen hinzugekommen. Ein Beispiel hierfür ist die Fläche in direkter Nähe des Portalkratzers, die durch die Entfernung von Bergematerial freigeworden ist. Sie ist heute teils eingezäunt und der Natur vorbehalten.

Viele Zollverein-Wiesen entwickeln sich ohne Einsaaten, doch an einigen Stellen wurden Saatenmischungen ausgebracht. Der Grund dafür ist, dass Bienenweiden geschaffen werden sollten, um die auf dem Gelände lebenden Bienenvölker mit Pollen und Nektar zu versorgen. Diese tierischen „Mitarbeiterinnen auf Zollverein“ produzieren Honig, der auf Zollverein als Zechengold verkauft wird.

An die wilden Verwandten der Honigbiene (Apis mellifera) wird ebenfalls gedacht. Um sie zu unterstützen, wurde 2024/2025 am Portalkratzer eine Wildbienen-Nist-Landschaft errichtet. Sie bietet beispielsweise ein Sandarium und einen Nisthügel, Hohlraumnisthilfen, Offenboden und Lehm-Sand-Steilwände. Auf der nahegelegenen Wiese finden die Wildbienen Nahrung für sich und ihre Brut.

Nilgans (Alopochen aegyptiaca) auf einer Wiese, UNESCO-Welterbe Zollverein, 19.07.2025

Für zahlreiche Offenlandarten sind die Wiesen wichtige Lebensräume. Um zu verhindern, dass die natürliche Verbuschung voranschreitet und damit den Tieren, Pflanzen und Pilzen die Lebensgrundlage entzieht, werden die Wiesen gepflegt. Zwar wird nicht allzu oft gemäht, doch spätestens im Herbst wird die Vegetation gekürzt. Dadurch bieten sich vor allem im Sommerhalbjahr gute Beobachtungsmöglichkeiten für Naturinteressierte. In diesem Beitrag werden drei größere Wiesenbereiche vorgestellt.

1. Wiese an der Grand Hall Zollverein

Auf dem Gelände der Kokerei an der Grand Hall Zollverein liegt ein Wiesenbereich, dessen Boden relativ trocken und überwiegend nährstoffarm ist. Dadurch ähnelt dieser Lebensraum einem Trockenrasen, was in der vielerorts stark überdüngten Landschaft Nordrhein-Westfalens sehr selten ist. Dennoch gibt es kleinere Bereiche mit einem höheren Nährstoffgehalt im Boden, was sich in der dortigen Vegetation zeigt.

Nicht zuletzt aufgrund ihrer Lage heizt sich diese Wiesenfläche im Sommer stark auf. Deshalb sind dort viele wärmeliebende Arten zu finden. Das gilt sowohl für die Pflanzen als auch für die Tiere. An etlichen Pflanzen leben parasitäre Pilze, die sich auf sie spezialisiert haben. Auch am Boden gibt es verschiedene Pilzarten.

Zurück zur Landkarte ↑

Blühende Wiese an der Kokerei, UNESCO-Welterbe Zollverein, 19.06.2021

2. Wiese am östlichen Kühlturm

Auch die Wiese am östlichen Kühlturm in der Nähe der Straße „Ahrendals Wiese” ist trocken und warm. Entlang des Weges, der von der Straße kommend in Richtung Kokerei führt, gibt es eine kleine, nach Südosten ausgerichtete Böschung. Abgesehen davon ist die Wiese eben.

An der Böschung wachsen viele Acker-Kratzdisteln (Cirsium arvense) und andere Stauden. Auf der Wiese wachsen neben verschiedenen Gräsern beispielsweise wilde Möhren (Daucus carota) und Magerwiesen-Margeriten (Leucanthemum vulgare). Wirbellose Tiere sind auf dieser Wiese reichlich vertreten, darunter Käfer, Wanzen, Zweiflügler, Schmetterlinge, Heuschrecken und Spinnen. Im Boden an der Böschung nisten Wildbienen, die sich im zeitigen Frühjahr gut beobachten lassen.

Zurück zur Landkarte ↑

Stieglitz (Carduelis carduelis) auf einer Wiese, UNESCO-Welterbe Zollverein, 17.07.2022

3. Wiesen an der Bullmannaue

Ein weiterer großer offener Bereich mit überwiegend krautiger Vegetation befindet sich entlang der Bullmannaue in unmittelbarer Nähe des SANAA-Gebäudes. Neben den ausgesäten Wildblumen gibt es dort auch etliche Pflanzenarten, die sich selbst angesiedelt haben. Es handelt sich dabei größtenteils nicht um typische Industrienatur-Spezialisten. Trotzdem tragen diese Pflanzen zur Artenvielfalt auf dem Zollverein-Gelände bei und sind für zahlreiche Insektenarten eine wichtige Nahrungsquelle.

Von Frühjahr bis Herbst bieten sich dort gute Beobachtungsmöglichkeiten für Insekten. Darüber hinaus leben auf diesen Wiesen Spinnentiere und verschiedene Bodentiere. Vereinzelte Bäume, die zwischen den niedrigen Pflanzen stehen, beherbergen ebenfalls etliche Insekten.

Zurück zur Landkarte ↑

Logo Industrienatur im Ruhrgebiet klein
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet ausschließlich technisch notwendige Basis-Cookies, um Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung zu bieten. Es kommen darüber hinaus keine weiteren Cookies oder Dienste zum Einsatz. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen, wenn Sie auf diese Website zurückkehren. So können wir nachvollziehen, welche Abschnitte der Website für Sie am interessantesten und nützlichsten sind. Mehr Informationen zum Datenschutz finden Sie in der Datenschutzerklärung.