Der Elsbachsee am 24.12.2018

Elsbachsee

Zahlreiche Wasserpflanzen, zwischen denen Fische schwimmen, Reiher, Enten, Gänse und Kormorane, Libellen und Frösche – der Elsbachsee in Bottrop ist voller Leben. Aufgrund seiner artenreichen Fauna könnte man meinen, er sei schon ewig da. Doch das Gewässer ist erst Anfang der 2000er-Jahre entstanden und wächst noch immer. Seine Entstehung ist eng mit dem unterirdischen Abbau von Steinkohle verbunden: Er ist ein Bergsenkungsgewässer.

Steckbrief

Standort: Bottrop-Kirchhellen in der Kirchheller Heide
Koordinaten: 51° 35′ 13.9524“ N, 6° 51′ 41.3496“ O
Fläche: rund 9,5 Hektar
Entstehungszeitpunkt: Anfang der 2000er-Jahre
Zugänglichkeit: Ufer größtenteils nicht begehbar, der Koppelweg führt über einen Damm, der sich durch das Gewässer erstreckt; dort bieten sich gute Beobachtungsmöglichkeiten
Weitere Namen: Pfingstsee, Elsbach-Bergsenkung, Elsbachbergsenkung, See des Elsbachs

Entstehung

Noch bis ins Jahr 2018 wurde unter der Kirchheller Heide, in der sich der Elsbachsee befindet, im Bergwerk Prosper-Haniel Steinkohle abgebaut. Es gibt zahlreiche Hohlräume, teils in großer Tiefe. Unter einem Bereich, in dem früher der recht schmale Elsbach den Wald durchfloss, sackte der Untergrund Anfang der 2000er-Jahre plötzlich ein wenig ab. Das Bett des Elsbachs wanderte mit in die Tiefe, sodass sich das Wasser in der neu entstandenen Senke sammelte.

Zu Beginn war dieser Abschnitt eine feuchte Niederung, in der die Bäume noch einige Zeit überleben konnten. Doch nach und nach füllte sich der nun tiefer gelegene Bereich des Waldes mit Wasser und die Bäume starben schließlich ab. Heute ragt nur noch ihr Totholz kahl aus dem See oder liegt in ihm, denn hin und wieder stürzen auch mal tote Bäume um.

Obwohl der Untergrund in den letzten Jahren nicht weiter abgesackt ist, wächst der Elsbachsee weiterhin ganz langsam. Das liegt daran, dass er verschlammt, wodurch sich der Wasserspiegel erhöht. Noch immer durchfließt der Elsbach diese Bergsenkung von Osten nach Westen.

Von einem den See durchquerenden Dammweg aus lässt sich die beeindruckende Natur beobachten.

Lebensräume und Artbeispiele

1. Uferbereich
2. Totholz im Wasser

Basierend auf einer Landkarte © OpenStreetMap-Beitragende
1. Uferbereich
2. Totholz im Wasser

Basierend auf einer Landkarte © OpenStreetMap-Beitragende

1. Uferbereich

Am Elsbachsee kann man die Uferzone nur entlang des ihn durchquerenden Dammes aus nächster Nähe betrachten. Im nordöstlichen Teil wachsen Uferpflanzen wie der Schwarzfrüchtige Zweizahn (Bidens frondosa) und der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia). Im flachen Wasser wachsen unter anderem der Gewöhnliche Tannenwedel (Hippuris vulgaris) und die Europäische Seekanne (Nymphoides peltata). Bemerkenswert ist der Bestand des Verkannten Wasserschlauchs (Utricularia australis), einer fleischfressenden Pflanze. Sie fängt ihre winzigen Beutetiere mit speziellen Fangblasen unter Wasser und ist im Sommer an ihren gelben Blüten über der Wasseroberfläche zu erkennen.

Während der warmen Jahreszeiten lassen sich entlang des Damms viele Libellen beobachten. Bislang konnten dort rund 30 Arten nachgewiesen werden, von denen sich jedoch nicht alle am Elsbachsee fortpflanzen. Dort sind neben häufigen Arten wie verschiedenen Heidelibellen (Sympetrum spp.) immer wieder auch Besonderheiten wie die Kleine Königslibelle (Anax parthenope) oder die Zarte Rubinjungfer (Ceriagrion tenellum) zu sehen. Sehr oft ruhen Individuen der Wasserflorfliege (Sialis fuliginosa/lutaria/nigripes) und weitere Insekten auf der Vegetation. In der flachen Uferzone am Damm leben außerdem Amphibien wie Grünfrösche (Pelophylax spp.) sowie verschiedene Fischarten, darunter die Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus).

Es lohnt sich auch immer, einen genaueren Blick auf die weiter entfernt liegenden Uferabschnitte zu werfen. Mit einem Fernglas lassen sich dort beispielsweise Graureiher (Ardea cinerea) und Silberreiher (Ardea alba) bei der Nahrungssuche beobachten.

Zurück zur Landkarte ↑

Fische im Elsbachsee, Kirchheller Heide, 19.04.2023

2. Totholz im Wasser

Das im Wasser stehende und liegende Totholz ist so weit vom Damm entfernt, dass es sich nur mithilfe eines Fernglases oder Spektivs gut betrachten lässt. Vögel nutzen die abgestorbenen Bäume gerne als Ruheplätze oder Ansitze, um nach Insekten zu jagen. Kormorane (Phalacrocorax carbo) trocknen ihr Gefieder nach ihren Tauchgängen, während verschiedene Entenarten im Wasser liegendes Totholz als Ruheplätze nutzen, um darauf stehend ihr Gefieder zu pflegen oder zu schlafen.

Wenn sie über dem Wasser und zwischen dem Totholz entlangfliegen, müssen die Libellen immer auf der Hut sein. Vor allem Bachstelzen (Motacilla alba) und Baumfalke (Falco subbuteo) stellen ihnen nach.

Bei genauerer Betrachtung sind am Totholz auch Pilze und Flechten zu entdecken. Diese aus der Ferne zu bestimmen, ist allerdings eine große Herausforderung.

Zurück zur Landkarte ↑

Ökologische Bedeutung

Der Elsbachsee ist ein wichtiges Refugium für eine Vielzahl von Tieren, die im Wasser leben oder deren Larven sich darin entwickeln. Außerdem beherbergt er zahlreiche Ufer- und Wasserpflanzenarten, darunter einige echte Seltenheiten. Wie einige von ihnen den Elsbachsee besiedelt haben, ist teils nicht bekannt.

Für etliche Tiere sind abgestorbene Bäume von großer Bedeutung. Auf dem liegenden Totholz ruhen sich beispielsweise Wasservögel aus. Libellen nutzen gern aus dem Wasser ragende Äste als Sitzwarte. Die noch stehenden abgestorbenen Bäume dienen den Larven von holzfressenden Insekten, darunter etliche Käferarten, als Lebensraum. Verschiedene Pilze zersetzen die toten Bäume.

Neben dem Elsbachsee gibt es in der Kirchheller Heide weitere Bergsenkungsgewässer wie den Weihnachtssee. Rund einen Kilometer entfernt liegt außerdem der Heidesee, der durch Kiesabbau an dieser Stelle entstanden ist. Zusammen mit den anderen Gewässern trägt der Elsbachsee maßgeblich zur Strukturvielfalt in der Kirchheller Heide bei.

Weite Teile der Kirchheller Heide stehen unter Naturschutz. Es gibt drei Schutzgebiete:

⇒ NSG Kirchheller Heide, Schwarzbach in Dinslaken (WES-057)
⇒ NSG Kirchheller Heide und Hiesfelder Wald (BOT-001), in diesem Gebiet liegt der Elsbachsee
⇒ NSG Kirchheller Heide (BOT-007)

Die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet untersucht regelmäßig, wie sich die Natur in der Kirchheller Heide und rund um den Elsbachsee entwickelt.

Meine Naturbeobachtungen

Für mich gehört die Kirchheller Heide mit ihren Bergsenkungsgewässern zu den interessantesten Exkursionsorten, die das Ruhrgebiet zu bieten hat. Vor allem am Elsbachsee beobachte ich gerne die Natur. Meine Sichtungen dokumentiere ich auf dem Meldeportal von NABU|naturgucker, siehe Link. Die folgende Statistik fasst meine Naturbeobachtungsdaten aus der Kirchheller Heide, also nicht nur die vom Elsbachsee, zusammen.

Anzahl der Taxa1 pro Artengruppe

Moose: 5
Gefäßpflanzen: 246
Amphibien: 3
Reptilien: 3
Säugetiere: 3
Vögel: 67
Insekten: 327
Sonstige Tiere: 59
Pilze, Flechten und Schleimpilze: 57
Bakterien: 0
Gesamt: 770

Exkursionen: 12
Beobachtungsdatensätze: 2.209
Bezugszeitraum: 29.04.2017 bis 17.05.2025

1 Was sind Taxa? Das können Sie hier nachlesen.

Infos für den Besuch

Während des gesamten Jahres haben der Elsbachsee und der umliegende Wald der Kirchheller Heide Naturbegeisterten viel zu bieten. Leider ist dieses Gebiet nicht gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Von der Bushaltestelle „Im Spring“ (Linie 251) aus sind es auf dem kürzesten Weg 3,4 Kilometer bis zum Elsbachsee. Alternativ kann man mit dem selten fahrenden Bus bis zur Haltestelle „Grafenmühle“ fahren und von dort aus 2,7 Kilometer bis zum See gehen. Mit dem Fahrrad lässt sich die Gegend jedoch bestens erkunden, da es keine nennenswerten Steigungen gibt. Wer mit dem Auto anreist, muss vom Parkplatz am Heidesee aus 2,4 Kilometer bis zum Elsbachsee laufen. Vom Wanderparkplatz Kletterpoth/Heidhofsee aus sind es 2,8 Kilometer Fußweg.

In der Nähe (Radius 5 km)

Alle in Kilometern angegebenen Distanzen sind Luftlinien.

Bottrop

Mit dem Weihnachtssee gibt es in der Kirchheller Heide ein weiteres großes Bergsenkungsgewässer. Er liegt nur rund 350 Meter vom Elsbachsee entfernt. In der Nähe befinden sich außerdem zwei Bergehalden: die Halde Schöttelheide (3,3 km) und die Halde Haniel (3,9 km). Wer die Industrienatur der Halde Schöttelheide erkunden möchte, muss sich allerdings damit begnügen, dies vom Haldenfuß aus zu tun, denn sie darf derzeit nicht betreten werden. Dagegen ist die Halde Haniel frei zugänglich.

Videos

Frühling am Elsbachsee, Kirchheller Heide, 14.05.2023
Graugans-Familie (Anser anser), Elsbachsee, Kirchheller Heide, 19.04.2023
Stockenten (Anas platyrhynchos) und Reiherenten (Aythya fuligula) am Elsbachsee, Kirchheller Heide, 29.10.2022
Höckerschwäne (Cygnus olor), Elsbachsee, Kirchheller Heide, 23.08.2023
Logo Industrienatur im Ruhrgebiet klein
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet ausschließlich technisch notwendige Basis-Cookies, um Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung zu bieten. Es kommen darüber hinaus keine weiteren Cookies oder Dienste zum Einsatz. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen, wenn Sie auf diese Website zurückkehren. So können wir nachvollziehen, welche Abschnitte der Website für Sie am interessantesten und nützlichsten sind. Mehr Informationen zum Datenschutz finden Sie in der Datenschutzerklärung.