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Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)
Kaum größer als eine Drossel und doch ein echter Überlebenskünstler: Seine Tarnfarben lassen den Flussregenpfeifer fast mit dem Untergrund verschmelzen und oft verrät nur sein leiser Ruf seine Anwesenheit. Er lebt entweder am Boden oder in der Luft, im Geäst von Bäumen findet man ihn dagegen nie. Weil viele seiner ursprünglichen Lebensräume verschwunden sind, ist er im Ruhrgebiet auf Industriebrachen und Halden ausgewichen, wo er teilweise sogar brütet.
Inhalt dieser Seite
Systematik
⇒ Klasse: Vögel (Aves)
⇒ Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
⇒ Familie: Regenpfeiferverwandte (Charadriidae)
Infos über die Art
⇒ Größe: 15–18 cm
⇒ Oberseite sandbraun, Unterseite weiß; schwarzes Brustband, schwarzer Stirnstreif und weißer Überaugenstreif
⇒ Auffälliger gelber Augenring (besonders im Brutkleid)
⇒ Kurze Beine, kompakter Körperbau
⇒ Im Flug gut sichtbare flache, schnelle Flügelschläge
⇒ Frisst vor allem Insekten und andere Wirbellose, z. B. Käfer, Würmer, Spinnen oder kleine Krebstiere, die er an Gewässerrändern aufpickt
⇒ Brutzeit: April bis Juli, meist zwei Bruten pro Jahr
⇒ Lässt sich in Deutschland etwa von April bis Oktober beobachten
⇒ Ist ein Langstreckenzieher, überwintert in Afrika südlich der Sahara
⇒ Rote Liste NRW: 2 (stark gefährdet)
⇒ Artporträt bei NABU|naturgucker (Bilder/Videos und Beobachtungsdaten)

Wissenswertes
Der Flussregenpfeifer ist der lebende Beweis dafür, dass nicht alle Vögel auf Bäumen leben. Wenn er gerade nicht fliegt, hält er sich ausschließlich am Boden auf und brütet dort sogar. Typisch für ihn ist seine eigentümliche Fortbewegung, zum Beispiel bei der Nahrungssuche: Zunächst trippelt er schnell, bleibt dann plötzlich stehen, rennt wieder los, um kurz darauf erneut stehen zu bleiben – und das immer wieder.


Zwischen April und Juli brütet der Flussregenpfeifer. Vom Bau eines aufwendigen Nestes hält er nichts. Er legt eine einfache Bodenmulde mit Pflanzenteilen oder Steinchen aus – fertig ist das Nest. Brütende Flussregenpfeifer sind wegen ihrer Gefiederfärbung kaum zu entdecken.
Nähert sich ein Feind ihrem Nest, wissen die kleinen Vögel sich mit einem Trick zu helfen: Der Altvogel entfernt sich scheinbar sichtlich angeschlagen vom Nest. Dabei gibt er vor, verletzt zu sein, lässt einen Flügel hängen und läuft stolpernd davon. Mit diesem als Verleiten bezeichneten Verhalten versucht er, die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich zu lenken und ihn vom Nest wegzulocken. Ist ihm das gelungen, setzt in ausreichender Entfernung vom Nest eine „Spontanheilung” ein und der Altvogel fliegt dem Feind davon. Meist findet der Fressfeind das Nest dann nicht mehr, zu dem der Altvogel längst unbemerkt zurückgekehrt ist. Dieses raffinierte Täuschungsmanöver zeigen übrigens auch einige enge Verwandte des Flussregenpfeifers.
Nach einer Brutzeit von etwa drei bis vier Wochen schlüpfen die jungen Flussregenpfeifer und verlassen sofort das Nest. Sie werden deshalb als Nestflüchter bezeichnet. Unter den wachsamen Blicken ihrer Eltern laufen sie umher und suchen selbstständig nach Nahrung. Rund drei bis vier Wochen nach dem Schlüpfen können sie bereits fliegen.

Lebensraum
Als Lebensraum bevorzugt der Flussregenpfeifer offene, weitgehend vegetationsarme Flächen in der Nähe von Gewässern. Typisch sind sandige oder kiesige Ufer, Flussinseln, Baggerseen oder andere Bereiche mit lockerem Boden. Dort findet er nicht nur Nahrung, sondern auch geeignete Stellen, um seine flache Nestmulde direkt auf dem Boden anzulegen. Entscheidend ist, dass der Standort übersichtlich bleibt und er sich nähernde Feinde frühzeitig sehen kann. Da natürliche Flussufer vielerorts verschwunden sind, besiedelt der Flussregenpfeifer zunehmend künstlich entstandene Lebensräume, zum Beispiel Kiesgruben und Baggerseen. Im Ruhrgebiet lebt er auf größeren Industriebrachen und Halden, sofern diese ungestört und nicht zu stark bewachsen sind. Außerdem sollte es dort zumindest kleine Gewässer geben. In manchen Bergsenkungsgebieten halten sich ebenfalls immer mal wieder Flussregenpfeifer auf.



Verwechslungsarten
Mit dem Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula), siehe Foto, und dem Seeregenpfeifer (Anarhynchus alexandrinus) kommen zwei weitere kleine Regenpfeiferarten als Zug- und Brutvögel in Deutschland vor. Die drei Spezies ähneln sich, können jedoch anhand bestimmter Details, darunter die Schnabel- und Beinfärbung, voneinander unterschieden werden.
An den Industrienatur-Standorten des Ruhrgebiets kommen diese beiden Verwechslungsarten jedoch nur selten vor. Meist rasten sie während des Zugs nur kurz dort. Damit ist der Flussregenpfeifer in dieser Region normalerweise recht leicht zu bestimmen.

Störungen unbedingt vermeiden
Wer den Flussregenpfeifer an den Industrienatur-Standorten des Ruhrgebiets beobachten möchte, sollte insbesondere während der Brutperiode immer genügend Abstand zu den Tieren halten. Seine Fluchtdistanz liegt zumeist deutlich unter 50 Metern. Um die Vögel aus ausreichender Entfernung gut sehen zu können, empfiehlt sich die Nutzung eines Fernglases oder eines Spektives. Fotos und Videos lassen sich am besten mit starken Teleobjektiven anfertigen.
Vermeiden Sie es, sich in Bereichen aufzuhalten, in denen sich die Nester der Flussregenpfeifer befinden könnten, und lassen Sie Ihre Hunde dort nicht frei herumlaufen. Da die Nester sehr unauffällig sind und die Eier aufgrund ihrer Sprenkelung optimal getarnt sind, kann es leicht passieren, dass man sie versehentlich zertritt.
In jüngster Zeit wurden einige der Flächen, auf denen der Flussregenpfeifer im Ruhrgebiet brütet, abgesperrt. Respektieren Sie diese Sperrungen, um die störungsempfindlichen Vögel zu schützen und ihre Bruterfolge nicht zu gefährden.
