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Süßwasserqualle (Craspedacusta sowerbii)
Wenn winzige, durchscheinende Scheibchen mit einem weißlichen Kreuz durch das Wasser schweben, lohnt es sich, genauer hinzusehen. In einigen Gewässern des Ruhrgebiets kann man mit etwas Glück die Süßwasserqualle beobachten. Die zarten Medusen ähneln auf den ersten Blick ihren Verwandten aus dem Meer, leben jedoch nicht in Salzwasser, sondern in Teichen, Seen und langsam fließenden Gewässern.
Inhalt dieser Seite
Systematik
⇒ Klasse: Hydrozoen (Hydrozoa)
⇒ Ordnung: Süßwasserquallen (Limnomedusae)
⇒ Familie: Olindiidae
Infos über die Art
⇒ Gehört zu den Nesseltieren (Cnidaria)
⇒ Medusen-Durchmesser meist 5–25 mm
⇒ Transparenter Schirm mit rundum angeordneten Tentakeln
⇒ Die Art kann sich sowohl sexuell als auch asexuell (durch Knospung) fortpflanzen
⇒ Meist unauffällige Polypenphase im Bodensediment oder an Wasserpflanzen
⇒ Medusen treten oft nur bei warmem Wasser auf (ab ca. 20 °C)
⇒ Weltweit vorkommend, in Mitteleuropa vermutlich durch den Menschen eingeführt
⇒ Rote Liste NRW: * (ungefährdet)
⇒ Artporträt bei NABU|naturgucker (Bilder/Videos und Beobachtungsdaten)
Das folgende Foto ist eines der wenigen auf dieser Website, das nicht an Industrienatur-Standorten im Ruhrgebiet aufgenommen wurde. Es ist im Rahmen des Geo-Tags der Artenvielfalt 2017 in der Wahner Heide bei Köln entstanden und zeigt eine Süßwasserqualle aus der Nähe.

Wissenswertes
Ursprünglich stammt die Süßwasserqualle wahrscheinlich aus dem Jangtse-Gebiet in China. Durch Pflanzen- und Fischtransporte hat sie sich von dort aus weltweit verbreitet.
Während des Großteils ihres Lebens bleibt sie unseren Blicken verborgen, denn sie existiert als winziger Polyp. Dabei handelt es sich um ein kaum millimetergroßes, festsitzendes Stadium, das im Schlamm oder an Pflanzen haftet. Erst bei ausreichend hohen Wassertemperaturen entwickeln sich aus diesen Polypen die bekannten Medusen, also die Tiere, die im alltäglichen Sprachgebrauch als Quallen bezeichnet werden. Unter passenden Bedingungen kann es vorkommen, dass innerhalb weniger Tage Hunderte kleiner Quallen durch das Wasser schweben, um ebenso schnell wieder zu verschwinden.
Im Gegensatz zu anderen Quallenarten ist die Süßwasserqualle für Menschen nicht gefährlich. Ihre Nesselkapseln sind zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen. Für Fische spielt sie als Nahrung kaum eine Rolle, wohl aber als zusätzlicher Beutegreifer von Kleinstlebewesen, die im Wasser leben.
Die Art gilt bei uns nicht als invasiv im engeren Sinne, da sie mitteleuropäische Arten in der Regel nicht verdrängt. Ihre Anwesenheit zeigt jedoch, wie stark Gewässer durch Handel, Klimawandel und Gewässernutzung global vernetzt sind.
Lebensraum
Bevorzugt lebt die Süßwasserqualle in ruhigen, wärmebegünstigten Gewässern wie Baggerseen, Altarmen von Flüssen, Parkteichen und Stauseen. Im Ruhrgebiet taucht sie immer wieder in Bergsenkungsgewässern und ehemaligen Baggerlöchern auf, aber auch in größeren Parkgewässern. Außerdem gibt es einen Bestand in den Rundklärbecken des Landschaftsparks Duisburg-Nord.
Da sie jahrelang unbemerkt im Sediment am Gewässergrund überdauert, gilt: Dort, wo sie einmal gefunden wurde, kann die Süßwasserqualle jederzeit wieder auftreten – meist dann, wenn der Sommer besonders warm ist.
