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Cladonia-Flechten (Cladonia spp.)
Sie wirken wie Miniatur-Landschaften: kleine, graugrüne Polster, winzige „Becher“, zarte Stämmchen und manchmal leuchtend rote Spitzen. Arten aus der Gattung Cladonia zählen zu den auffälligsten Flechten unserer Breiten – und gleichzeitig zu den widerstandsfähigsten. Wo der Boden karg, trocken oder sauer ist, können sie sich festsetzen und ganze Teppiche bilden.
Inhalt dieser Seite
Systematik
⇒ Klasse: Lecanoromycetes
⇒ Ordnung: Lecanorales
⇒ Familie: Rentierflechten & Verwandte (Cladoniaceae)
Infos über die Gattung
⇒ Vielgestaltige Flechtenkörper: schuppige Grundschicht und aufrechte Podetien („Stämmchen“)
⇒ Meist grau, grünlich, bräunlich; einige Arten mit roten Fruchtkörpern
⇒ Höhe der Podetien je nach Art wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter
⇒ Typische Überlebenskünstler auf mageren, offenen oder gestörten Standorten
⇒ Ganzjährig zu beobachten
⇒ Rote Liste Deutschland: je nach Art stark unterschiedlich
⇒ Gattungsporträt bei NABU|naturgucker (Bilder/Videos und Beobachtungsdaten)

Namensvielfalt
Wissenschaftlich werden diese Flechten mit dem Gattungsnamen (Cladonia) in Kombination mit einem zweiten, für jede Art individuellen Teil, dem sogenannten Artepitheton, versehen. Ein Beispiel ist Cladonia furcata.
Für die zahlreichen Arten der Cladonia-Flechten gibt es außerdem mehrere umgangssprachliche Bezeichnungen, sogenannte Trivialnamen. Wenn von Cladonien, Rentierflechten, Säulenflechten oder Becherflechten die Rede ist, sind damit immer Arten der Gattung Cladonia gemeint.



Wissenswertes
Rund 475 Arten von Cladonia-Flechten sind der Wissenschaft derzeit bekannt, von denen mehr als 70 in Deutschland nachgewiesen wurden. Ihr charakteristisches Merkmal ist der zweigeteilte Flechtenkörper (Thallus). Ein oft schuppen- oder blattartiger Primärthallus bildet die Basis, aus der aufrechte, stängel- oder becherförmige Strukturen, die sogenannten Podetien, wachsen. An den Enden der Podetien befinden sich häufig Fruchtkörper (Apothecien) oder eingeschlechtliche Fortpflanzungsstrukturen (Soredien).
Die Formen der Podetien sind sehr variabel. Sie reichen von einfachen Stäbchen oder Säulen über verzweigte Gebilde bis hin zu becherförmigen Strukturen. Daraus ergibt sich die große Namensvielfalt innerhalb der Gattung. Grau, grünlich oder bräunlich fällt die Färbung der Cladonia-Flechten aus. Einige Arten bilden leuchtend rote Fruchtkörper aus. Oft lassen sich Cladonia-Flechten nur mit Erfahrung unterscheiden, da Form, Größe und Färbung der Podetien innerhalb einer Art sehr unterschiedlich ausfallen können.

Wie alle Flechten bestehen auch Cladonia-Flechten aus einer Symbiose: einem Pilz, der den Körper bildet, und einzelligen Grünalgen, die Photosynthese betreiben. Dieses Zusammenleben ermöglicht es ihnen, an extrem nährstoffarmen Orten zu überdauern. Auf industriell geprägten Flächen wie Halden, Bahnbrachen oder sauren Rohböden gehören sie oft zu den ersten sichtbaren Lebensformen. Ihre Anwesenheit trägt dazu bei, offene Substrate zu stabilisieren und langfristig Bodenbildung zu fördern.
In warmen, trockenen Phasen können sich Cladonia-Flechten stark zusammenziehen und nahezu austrocknen, ohne dabei Schaden zu nehmen. Sobald Feuchtigkeit verfügbar ist, werden sie innerhalb kürzester Zeit wieder aktiv. Diese Fähigkeit macht sie zu idealen Pionieren an den Standorten der Industrienatur.



Lebensraum
Vertreter der Gattung Cladonia wachsen auf einer Vielzahl von Untergründen. Sie sind auf unbewachsenem, offenem Boden ebenso zu finden wie auf Rohhumus-Schichten in Wäldern oder auf nacktem Torf. Darüber hinaus dient morsches Totholz manchen Arten als Substrat. Einige Spezies sind außerdem auf der Borke lebender Bäume zu finden, andere wachsen auf Steinen.
In den Industriewäldern, auf Industriebrachen und Halden des Ruhrgebiets sind mehrere Arten von Cladonia-Flechten vertreten. Häufig tritt die Gattung mosaikartig auf: Einzelne Arten bilden kleine Polster, während andere weite Flächen bedecken. Diese Vielfalt im Kleinen ist typisch für Cladonia-Gesellschaften.



Artennetzwerk – ein Beispiel
Häufig treten Cladonia-Flechten in Gesellschaft verschiedener Laubmoose (Bryophyta) auf.
