Blick auf das Fördergerüst der Zeche Ewald in Herten, aufgenommen von der Halde Hoheward aus am 13.11.2022.
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Über dieses Projekt

In den letzten Jahrzehnten hat das Ruhrgebiet eine Verwandlung vollzogen, die weltweit ihresgleichen sucht. Dort, wo über Generationen hinweg das Herz der Montanindustrie schlug und Kohlenstaub sowie glühender Stahl den Rhythmus vorgaben, hat sich vielerorts eine „Wildnis aus zweiter Hand” ausgebreitet. Diese Industrienatur ist aber weit mehr als nur ein bisschen Grün über altem Beton und auf Bergematerial. Sie ist der eindrucksvolle Beweis für die enorme Durchsetzungsstärke der Natur, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommt.

Das Besondere an dieser Landschaft ist, wie eigenwillig sich die Natur ihr Territorium zurückerobert hat. Auf den riesigen Halden und Industriebrachen haben sich Böden gebildet, die es natürlicherweise nicht gibt. Schwarzer Bergeschutt und grober Schotter speichern die Sonnenwärme so intensiv, dass im Ruhrgebiet kleine Inseln mit mediterranem Klima entstanden sind.

In diesem menschengemachten „Süden” leben heute Pflanzen, Tiere und Pilze, die man eher in der Steppe oder am Mittelmeer erwarten würde als im Westen Deutschlands, in einer vom Menschen stark veränderten Region. Vor allem Pionierpflanzen nutzen die nährstoffarmen Flächen als Nische, in der sie ohne hohen Konkurrenzdruck überleben können.

Gleichzeitig erzählt die Industrienatur eine Geschichte der globalen Vernetzung. Über Jahrzehnte hinweg gelangten mit den Erzlieferungen und Warenströmen aus fernen Kontinenten unbemerkt Samen und Sporen ins Ruhrgebiet. Heute bilden diese „Zuzügler” zusammen mit mitteleuropäischen Arten einen einzigartigen ökologischen Schmelztiegel. Es ist ein außergewöhnlicher und zugleich reizvoller Anblick, wenn filigrane Blüten aus den Ritzen massiver Betonfundamente sprießen oder junge Wälder die imposanten Fördergerüste ehemaliger Zechen umschließen.

Für Naturbegeisterte ist das Ruhrgebiet heute ein ganz besonderer Ort. Wer sich hier auf den Weg macht, erlebt keine unberührte Natur, sondern eine Gemeinschaft von Arten, die sich auf beeindruckende Weise mit den Eingriffen des Menschen arrangiert hat. Es ist eine Landschaft voller Kontraste, die zeigt, wie aus der Asche der Industrie eine völlig neue, wilde Vitalität erwachsen kann.

Es gibt viele talentierte Menschen, die im Ruhrgebiet ästhetische Aufnahmen von Arten, Halden, Industriebrachen usw. anfertigen. Die Fotos und Videos, die ich auf dieser Website zeige, haben einen anderen Hintergrund: Ich fertige sie an, um das Beobachtete zu dokumentieren. So kann ich Euch beispielsweise bei den Industrienatur-Arten Merkmale und Verhaltensweisen zeigen, die für diese Organismen typisch sind, und Euch (hoffentlich!) dabei helfen können, sie draußen selbst zu erkennen.

Mich begeistert die Industrienatur so sehr, dass ich mich seit vielen Jahren intensiv mit ihrer Erkundung befasse. Auf dieser Website möchte ich anderen Interessierten Einblicke in diese spezielle und immer wieder überraschende Stadtnatur bieten. Dabei ist es mir wichtig, die Hintergründe verständlich zu erklären und Fachbegriffe nicht in den Vordergrund zu stellen. Wo es möglich ist, verwende ich die Trivialnamen der beschriebenen Arten, allerdings immer ergänzt um die wissenschaftlichen Namen.

Mein Ziel ist es, Euch die Industrienatur näherzubringen und Euch für ihre erstaunliche Vielfalt im Großen wie im Kleinen zu begeistern.

Eure Gaby Schulemann-Maier
Dezember 2025

Logo Industrienatur im Ruhrgebiet klein
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