
- Home
- >
- Industrienatur
- >
- Arten an Industrienatur-Standorten
- >
- Tiere
- >
- Vögel
- >
- Hausrotschwanz
Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros)
Er liebt die Nähe der Menschen – wegen der von ihnen errichteten Bauwerke. Der Hausrotschwanz fühlt sich dort wohl, wo Mauern, Dächer und Gebäude neben etwas Ruhe auch Nischen und Hohlräume zum Brüten bieten. Schon früh am Morgen ist sein rauer, kratziger Gesang zu hören, mit dem er sein Revier markiert. Typisch für ihn ist das häufige Zucken mit dem rostroten Schwanz. Ursprünglich ein Felsenbewohner, hat der Hausrotschwanz die Städte erobert und ist heute eine der Charakterarten der Industrienatur des Ruhrgebiets.
Inhalt dieser Seite
Systematik
⇒ Klasse: Vögel (Aves)
⇒ Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
⇒ Familie: Schnäpperverwandte (Muscicapidae)
Infos über die Art
⇒ Größe: 14–15 cm
⇒ Männchen rußschwarz bis dunkelgrau mit rostrotem Schwanz; Weibchen und Jungvögel graubraun mit ebenfalls rostrotem Schwanz
⇒ Ist schlank gebaut und hat recht lange, dünne Beine
⇒ Steht meist in aufrechter Körperhaltung
⇒ Typisch ist das häufig zu beobachtende Zittern des Schwanzes
⇒ Ernährt sich von Insekten und anderen Wirbellosen; frisst im Herbst auch Beeren
⇒ Ist ein Zugvogel, überwintert in Südeuropa oder Nordafrika, kann von März bis November in Mitteleuropa beobachtet werden
⇒ Brütet von April bis Juli, meist zwei Bruten pro Jahr
⇒ Rote Liste NRW: * (ungefährdet)
⇒ Artporträt bei NABU|naturgucker (Bilder/Videos und Beobachtungsdaten)
Wissenswertes
Als Zugvogel hält sich der Hausrotschwanz nicht das ganze Jahr über in Deutschland auf. Ab dem letzten Septemberdrittel ziehen die meisten Individuen nach Süden. Ein großer Teil überwintert im Mittelmeerraum. In den letzten Jahren wurden jedoch an verschiedenen Stellen in Deutschland überwinternde Hausrotschwänze beobachtet.
Bereits Ende Februar treffen die ersten Individuen wieder in ihren mitteleuropäischen Brutgebieten ein. Auf den Industriebrachen des Ruhrgebietes sind die markanten Reviergesänge der Männchen oft schon an sonnigen Märztagen zu hören. So singt der Hausrotschwanz – ein Klangbeispiel.



Lebensraum
Ursprünglich lebte der Hausrotschwanz im Gebirge und brütete dort in Felsnischen. Vor etwa 250 Jahren breitete er sich ins Flachland aus und eroberte Siedlungen als neuen Lebensraum. Gebäude mit ihren Spalten sind seither wichtige Brutplätze für ihn. Als Teil der Stadtnatur hat er wie viele andere Arten vom Wandel des Ruhrgebiets vom Industriestandort zur grünen Region profitiert. Heute besiedelt er in großer Zahl viele Industriebrachen. Auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein leben beispielsweise die meisten Hausrotschwänze auf Essener Stadtgebiet.
Industriebrachen sind für ihn ideale „Ersatzgebirge“: Dort gibt es offene Flächen mit niedriger Vegetation, auf denen er nach Insekten und anderen kleinen Tieren wie Spinnen jagen kann. Gebäudereste und andere Relikte der Montanindustrie bieten mit ihren Nischen und Hohlräumen beste Möglichkeiten für den Nestbau. Gleichzeitig sind die Gebäude perfekte Singwarten für die männlichen Hausrotschwänze.
Für den Hausrotschwanz ist es wichtig, dass die Industriebrachen nicht zu sehr verbuschen, da er Wälder meidet. Deshalb ist es für ihn optimal, dass viele Industriebrachen im Ruhrgebiet gepflegt werden, weil sie als Industriedenkmäler erhalten bleiben sollen. Durch diese Pflegemaßnahmen bleiben offene Flächen erhalten, die der Hausrotschwanz zur Nahrungssuche benötigt.



Verwechslungsarten
Die kräftig schwarz gefärbten Männchen des Hausrotschwanzes sind unverwechselbar. Männchen, die eher grau gefärbt sind, sowie Weibchen und jugendliche Hausrotschwänze können jedoch mit dem nahe verwandten Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) verwechselt werden. Dessen Männchen sind anhand ihrer kräftig orange gefärbten Brust leicht zu erkennen. Jedoch sind die Weibchen und Jungtiere mit ihrer bräunlichen Färbung typische Verwechslungskandidaten. Bei genauem Betrachten fällt auf, dass das Braun beim Gartenrotschwanz etwas heller und wärmer ausfällt als beim Hausrotschwanz. Hinzu kommt, dass der Gartenrotschwanz nur an wenigen Standorten der Industrienatur im Ruhrgebiet vorkommt, der Hausrotschwanz hingegen ist weit verbreitet.
